Alexithymie, Gefuehlsblindheit soll erforscht werden
Von alexithymie – auf Deutsch auch Gefühlsblindheit genannt – war in diesem Blog schon ausführlich die Rede Heute komme ich noch einmal darauf zurück – weil es ein Forschungsvorhaben gibt, über das bei idw zu lesen war. Die am Anfang genannte Zahl hört sich allerdings verblüffend an.

Rund zehn Prozent aller Menschen sind "alexithym", d.h., sie können Gefühle nur sehr eingeschränkt empfinden. Eine angemessene Wahrnehmung und Verarbeitung von emotionaler Information ist aber für das zwischenmenschliche Zusammenleben von enormer Bedeutung. "Emotionale Intelligenz" bzw. "Kompetenz" ist eine Schlüsselqualifikation für den Umgang mit anderen Menschen, sowohl am Arbeitsplatz, als auch im privaten Bereich oder zu Hause in der Familie.
Das Konzept der "Alexithymie" (z. Dt. in etwa: "keine Worte für Gefühle" oder "Nicht-Lesen-Können von Gefühlen") beschreibt keine Erkrankung, sondern ein Persönlichkeits-Merkmal. Menschen, bei denen diese Eigenschaft stark ausgeprägt ist, haben oft Schwierigkeiten, gefühlsbetonte Signale oder Reize aus ihrer Umwelt als "emotional" wahrzunehmen, eigene Gefühle und Gemütszustände zu äußern und in Worte zu fassen. Oftmals werden alexithyme Menschen von ihrer Umgebung als phantasiearm, faktenzentriert und dem "Hier und Jetzt" verhaftet erlebt. Bei etwa 10 Prozent der Allgemeinbevölkerung ist dieses Merkmal stärker ausgeprägt.
Obwohl "Alexithymie" keine Erkrankung im engeren Sinn ist, müssen "alexithyme Verhaltensmerkmale" als Risikofaktor für die Entstehung psychischer bzw. psychosomatischer Erkrankungen verstanden werden. So sind z.B. in der Gruppe der chronischen Schmerz-Patienten alexithyme Personen überdurchschnittlich häufig anzutreffen.
Alexithyme werden oft von ihren Mitmenschen als emotionslos erlebt. Den Betroffenen fällt es aber oft schwer, emotionale Reaktionen ihres sozialen Umfeldes richtig zu deuten. Dadurch kommt es oft zu Konflikten, Irritationen und Ablehnung, die langfristig bei den Betroffenen zu einer Reihe von Beschwerden führen können (z.B. depressive Verstimmtheit, Schmerzen, Stresssymptome, Suchtprobleme etc.).
Die Verarbeitung emotionaler Information im Gehirn ist bei Menschen mit stark ausgeprägten alexithymen Merkmalen möglicherweise verändert. Es wird angenommen, dass bei der Verarbeitung von emotionalen Reizen bei Alexithymen andere Regionen des Gehirns aktiv sind bzw. die Aktivierung von entsprechenden Hirnregionen weniger stark ausgeprägt ist.
In einer Kooperationsstudie zwischen der Nuklearmedizinischen Abteilung des Forschungszentrums Jülich und dem Labor für Psychophysiologische Affektforschung am Universitätsklinikum Düsseldorf untersuchen Dr. Ralf Schäfer und Dr. Dr. Alexander Heinzel diese Aktivierungsmuster im Gehirn alexithymer Probanden. Dabei werden sowohl die Gehirnströme (EEG) der Probanden an der Kopfoberfläche erfasst, als auch mittels Bildgebung (fMRT) die Regionen im Gehirn identifiziert, die bei der Verarbeitung von emotionalen Reizen aktiv sind. Diese Verfahren ergänzen einander.
Die so gewonnenen Daten sollen zu einem besseren Verständnis von alexithymen Merkmalen führen. Dadurch können diagnostische Verfahren verbessert und neue psychotherapeutische Ansätze erarbeitet werden, die speziell darauf abgestimmt sind, bei alexithymen Betroffenen die emotionale Kompetenz langfristig zu stärken.
Für die Studie werden weiterhin noch gesunde, rechtshändige Probanden gesucht, Interessierte melden sich bitte telefonisch in Düsseldorf unter 0211-8112536 oder in Jülich unter 02461-618717.
Kontakt kann auch per Mail aufgenommen werden: loreta@uni-duesseldorf.de bzw. a.schieffer@fz-juelich.de.
Quelle: idw
Bild: Bernd Sterzl bei pixelio.de
September 1st, 2010 at 12:15
ich lese mit großem interesse ihren artikel , im augenblick fühle ich mich als betroffene und zwar als betroffene partnerin und würde gern mehr erfashren vor allem darüber , was kann man tun einmal als betroffener und einmal als angehöriger bzw. partnerin –denn der leidensdruck ist ganz schön groß — danke herzlichst