Alzheimer – Schutz entdeckt: natürliche Antikörper

Regelmäßige LeserInnen dieses Blogs wissen es: Am liebsten bringe ich hier Meldungen vom "Puls der Forschung" – Nachrichten, die dokumentieren, wie spannend Forschung sein kann; dass es immer wieder kreative Menschen gibt, die im Gesundheitsbereich die Dinge voranbringen. Oft sind die Sensationen nicht so ohne weiteres als solche erkennbar oder werden überhaupt trocken vorgebracht – dies hier ist glaube ich so ein Fall: Wenn das stimmt, kommt die Heilung oder Vorbeugung der Alzheimerschen Erkrankung einen ganz entscheidenden Schritt voran!!
Der Körper besitzt wahrscheinlich selber einen angeborenen Schutz vor Alzheimer und ähnlichen Krankheiten! Diese überraschende Entdeckung haben amerikanische Forscher gemacht: Im Blut gesunder Menschen befinden sich Antikörper, die ganz gezielt die Eiweiße in den für Alzheimer typischen "Plaques" (flächigen Ablagerungen von Eiweißbruchstücken) im Gehirn angreifen – und zwar so spezifisch, dass sie lediglich dann reagieren, wenn sich diese so genannten Abeta-Proteine (Proteine = Eiweiße) bereits zu einer Vorstufe der Plaques zusammengelagert haben. Die neu entdeckten Antikörper dürften sich auch für die Behandlung bereits bestehender Alzheimer-Erkrankungen eignen, erste klinische Studien sprechen dafür.
Eigentlich war die Entdeckung eher ein Zufall: Norman Relkin und sein Team hatten acht Alzheimer-Patienten mit einer Immuntherapie namens IVIg behandelt, bei der den Betroffenen ein Cocktail aus Antikörpern verabreicht wird, der aus dem Blut mehrerer gesunder Menschen gewonnen wird. Diese Therapie wird heute beispielsweise bei verschiedenen Immunschwächen und bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Das Ergebnis war eine deutliche Verringerung der Abeta-Mengen im zentralen Nervensystem der Patienten – so deutlich, dass sie sich nicht durch die schon früher entdeckte Anwesenheit einiger weniger Antikörper gegen Abeta in dem Immuncocktail erklären ließ. "Wir vermuteten daher, dass es noch einen anderen, bisher unbekannten Akteur geben muss", erklärte Studienleiter Relkin auf einer Fachtagung.
Eine Untersuchung im Labor bestätigte diese Vermutung: Die IVIg-Mischung zeigte eine schwache Reaktion, wenn sie mit einzelnen Abeta-Molekülen in Kontakt kamen. Zusätzlich gab es jedoch noch einen weitaus stärkeren Effekt, wenn die Abeta-Proteine zu altern begannen und sich zu so genannten Oligomeren zusammenlagerten. Die Bildung solcher Oligomere gilt als erster Schritt für die Plaque-Formation und damit auch als Beginn der irreversiblen (unumkehrbaren) Schädigung der Gehirnzellen. In weiteren Versuchen gelang es den Forschern dann, die für diese Reaktion verantwortlichen Antikörper zu isolieren.
Interessanterweise reagierten die Abwehrproteine nicht nur auf Abeta-Oligomere, sondern auch auf andere zusammengeklumpte Eiweiße wie etwa Prionen oder die bei Parkinson vorkommenden Lewy-Körperchen, berichteten die Wissenschaftler. Es sei also möglich, dass es sich dabei um einen allgemeinen abwehrmechanismus handelt, mit dem der Körper versucht, sich vor den gefährlichen neurodegenerativen (durch Entartung von Nerven bedingten) Krankheiten zu schützen. Welchen Nutzen die Antikörper jedoch für die Behandlung der Erkrankungen haben, sei bisher vollkommen unklar. Zwar erschienen die Ergebnisse der ersten Tests viel versprechend. Es müsse jedoch abgewartet werden, ob sie sich in den zum Teil bereits laufenden größeren Untersuchungen bestätigten und ob es einen ähnlich Effekt auch bei den anderen Krankheiten gebe.
Wissenschaftliche Veröffentlichung: Norman Relkin (Cornell-Universität, Ithaca) et al.: Vortrag auf der 2nd Alzheimer's Association International Conference on Prevention of Dementia, Washington
Alzheimer – Schutz entdeckt: natürliche Antikörper
Regelmäßige LeserInnen dieses Blogs wissen es: Am liebsten bringe ich hier Meldungen vom "Puls der Forschung" – Nachrichten, die dokumentieren, wie spannend Forschung sein kann; dass es immer wieder kreative Menschen gibt, die im Gesundheitsbereich die Dinge voranbringen. Oft sind die Sensationen nicht so ohne weiteres als solche erkennbar oder werden überhaupt trocken vorgebracht – dies hier ist glaube ich so ein Fall: Wenn das stimmt, kommt die Heilung oder Vorbeugung der Alzheimerschen Erkrankung einen ganz entscheidenden Schritt voran!!
Der Körper besitzt wahrscheinlich selber einen angeborenen Schutz vor Alzheimer und ähnlichen Krankheiten! Diese überraschende Entdeckung haben amerikanische Forscher gemacht: Im Blut gesunder Menschen befinden sich Antikörper, die ganz gezielt die Eiweiße in den für Alzheimer typischen "Plaques" (flächigen Ablagerungen von Eiweißbruchstücken) im Gehirn angreifen – und zwar so spezifisch, dass sie lediglich dann reagieren, wenn sich diese so genannten Abeta-Proteine (Proteine = Eiweiße) bereits zu einer Vorstufe der Plaques zusammengelagert haben. Die neu entdeckten Antikörper dürften sich auch für die Behandlung bereits bestehender Alzheimer-Erkrankungen eignen, erste klinische Studien sprechen dafür.
Eigentlich war die Entdeckung eher ein Zufall: Norman Relkin und sein Team hatten acht Alzheimer-Patienten mit einer Immuntherapie namens IVIg behandelt, bei der den Betroffenen ein Cocktail aus Antikörpern verabreicht wird, der aus dem Blut mehrerer gesunder Menschen gewonnen wird. Diese Therapie wird heute beispielsweise bei verschiedenen Immunschwächen und bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Das Ergebnis war eine deutliche Verringerung der Abeta-Mengen im zentralen Nervensystem der Patienten – so deutlich, dass sie sich nicht durch die schon früher entdeckte Anwesenheit einiger weniger Antikörper gegen Abeta in dem Immuncocktail erklären ließ. "Wir vermuteten daher, dass es noch einen anderen, bisher unbekannten Akteur geben muss", erklärte Studienleiter Relkin auf einer Fachtagung.
Eine Untersuchung im Labor bestätigte diese Vermutung: Die IVIg-Mischung zeigte eine schwache Reaktion, wenn sie mit einzelnen Abeta-Molekülen in Kontakt kamen. Zusätzlich gab es jedoch noch einen weitaus stärkeren Effekt, wenn die Abeta-Proteine zu altern begannen und sich zu so genannten Oligomeren zusammenlagerten. Die Bildung solcher Oligomere gilt als erster Schritt für die Plaque-Formation und damit auch als Beginn der irreversiblen (unumkehrbaren) Schädigung der Gehirnzellen. In weiteren Versuchen gelang es den Forschern dann, die für diese Reaktion verantwortlichen Antikörper zu isolieren.
Interessanterweise reagierten die Abwehrproteine nicht nur auf Abeta-Oligomere, sondern auch auf andere zusammengeklumpte Eiweiße wie etwa Prionen oder die bei Parkinson vorkommenden Lewy-Körperchen, berichteten die Wissenschaftler. Es sei also möglich, dass es sich dabei um einen allgemeinen Abwehrmechanismus handelt, mit dem der Körper versucht, sich vor den gefährlichen neurodegenerativen (durch Entartung von Nerven bedingten) Krankheiten zu schützen. Welchen Nutzen die Antikörper jedoch für die Behandlung der Erkrankungen haben, sei bisher vollkommen unklar. Zwar erschienen die Ergebnisse der ersten Tests viel versprechend. Es müsse jedoch abgewartet werden, ob sie sich in den zum Teil bereits laufenden größeren Untersuchungen bestätigten und ob es einen ähnlich Effekt auch bei den anderen Krankheiten gebe.
Wissenschaftliche Veröffentlichung: Norman Relkin (Cornell-Universität, Ithaca) et al.: Vortrag auf der 2nd Alzheimer's Association International Conference on Prevention of Dementia, Washington
Quelle: ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel
Weitere Infos – unbedingt ansehen, auch wegen der Bilder, die ich nicht zu übernehmen wage: alzheimer-forschung.de
Bild: alzheimer-dortmund.de