Arzneimittelforschung für Seuchen der Armen

Das Gros der arzneimittelforschung diente Menschen, die sich die Medikamente leisten können. So hat es ein Pharmaforscher gesehen, der jetzt seine Stellung gewechselt hat. In Siena wurde ein Institut errichtet, das nicht gewinnorientiert arbeitet – es entwickelt Impfstoffe gegen tropische Armutskrankheiten. Bill Gates hat es mit seiner Stiftung möglich gemacht. Eine Trendwende!
Bis heute werden in Vorträgen stets die gleichen Zahlen rezitiert: Seit 1975 bis 1999 seien nur 13 Medikamente gegen Tropenkrankheiten auf den Markt gekommen, im Gegensatz zu über 1500 für die industrialisierte Welt. Ein 2005 erstellter Bericht der London School of Economics belegt aber, dass es Zeit ist, die Zahlen zu revidieren. Die Gesundheitsökonomin und Medizinerin Mary Moran hatte in der ausführlichen Studie für Ende 2004 Folgendes festgestellt: 63 Wirkstoffe befanden sich in der präklinischen Phase, 18 in frühen klinischen Tests, und 2 standen vor der Registrierung. In den Jahren seither hat sich die Pipeline weiter gefüllt.
Der Entwicklungsschub ist Bill Gates und seinen Milliarden zu verdanken. Seine 2000 gestartete Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) begann schnell, nicht nur die Verteilung bestehender Medikamente und Impfstoffe zu finanzieren, wie es schon andere machten. Gates steckte ernsthafte Summen in Forschungsprojekte, um endlich neue (und oft erste) Therapien zu erhalten. «Gates hat den Wandel in der Bekämpfung der Seuchen in den armen Ländern am meisten geformt», so Stefan Kaufmann, Professor für Immunologie und Mikrobiologie am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie.
«Heute ist die 33 Mrd. $ schwere Stiftung unbestritten der weltweit wichtigste Geldgeber für die Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe zur Bekämpfung der Armutskrankheiten in Entwicklungsländern», fasst Mary Moran zusammen.
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