Arzneimittelforschung: Gewebekulturen in 3D ersparen Tierversuche
abgelegt im Archiv Arzneimittel, Medikamente, Produktion , Medizin-News am 17.07.07
Wissenschaftler der TUHH - der Technischen Universität Hamburg-Harburg - haben ein neues Verfahren entwickelt, das weiter Tierversuche reduzieren hilft: In einem Bioreaktor kultivieren sie menschliches Gewebe in räumlichen Formen, also dreidimensional (nicht nur in der Fläche, wie bisher üblich).
Für den Patientenschutz sind Gewebekulturen aus verschiedenen Gründen höchst wichtig: Bei der Entwicklung heilsamer Wirkstoffe lässt sich bis heute nicht mit Sicherheit ausschließen, ob das künftige Medikament Rezeptoren ("Empfängerteilchen") enthält, die sich gegen menschlichen Zellen richten. In Tierversuchen ist das oft nicht zu erkennen. Ob ein Arzneimittel negative Nebenwirkungen oder ein Kosmetikum Hautreizungen auslöst, kann man in Zukunft mit Gewebekulturen testen und damit Laborversuche an Tieren ersetzen.
Die neuen Testverfahren sind sogar, wie es heißt, klinischen Studien überlegen. Bei vielen neuen Wirkstoffen treten unerwünschte Reaktionen oft erst nach der Zulassung als Arzneimittel auf - trotz zuvor positiv verlaufender klinischer Studien. Dies liegt daran, dass die genetische Vielfalt aller Patienten, die mit diesem Arzneimittel behandelt werden, nicht erfasst werden kann.
Das Projekt ist an der TU Hamburg-Harburg in den neu gegründeten Forschungsschwerpunkt "Regeneration, Implantate und Medizintechnik" integriert.
"Wir sind dabei, ein in der Praxis einsetzbares Instrumentarium zu entwickeln, das das Wachstum von dreidimensionalen gewebeartigen Strukturen bei ausgewählten humanen Zellen fördert", sagt Dr. Ralf Pörtner. Unter seiner Leitung wird zu diesem Zweck an der TUHH am Institut für Bioprozess-und Biosystemtechnik ein multifunktional einsetzbares Bioreaktorenkonzept entwickelt, in dem Gewebezellen auf keramischen Trägern kultiviert werden. Diese speziellen keramischen Träger verfügen über eine makroporige Struktur und über mikroporige, nano-raue Oberflächen (Nano- = ein Milliardstel Meter, also winzig kleine raue Oberflächen), beides fördert das 3D-Wachstum von Zellen. Basierend auf diesem System werden an der TUHH Verfahren zur Kultivierung von Knorpelgewebe erarbeitet (Bild).
Quelle idw, s. tu-harburg.de (Bild von dort)

Tags: Arzneimittelforschung Gewebekulturen Tierversuche Arzneimittelrisiken TUHamburgHarburg TUHH
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Wong
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