Arzneiverordnungs-Report 2009: Arzneimittelkosten steigen trotz Spargesetzen
abgelegt im Archiv Arzneimittel, Medikamente, Produktion , Gesundheitsreform, Gesundheitspolitik am 19.09.09

Trotz aller Spargesetze steigen die Ausgaben für Arzneimittel erneut. Das soll an neuen Medikamenten wie solchen gegen Krebs liegen. Ein Plus von 5.3 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro im Jahre 2008 - der am schnellsten wachsende Kostenblock der gesetzlichen Krankenkassen!
Die Zahlen gehen aus dem Arzneiverordnungs-Report 2009 hervor.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) attackierte die Pharmaindustrie: "Es muss Schluss sein mit der teilweise verantwortungslosen Preispolitik mancher Hersteller."
Nach den Worten des Mitherausgebers Ulrich Schwabe zeigten internationale Preisvergleiche Sparmöglichkeiten von mindestens 6,1 Milliarden Euro. Dies mache rechnerisch 0,6 Beitragssatz-Punkte aus. So koste die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs hierzulande ohne erkennbaren Grund 477 Euro - 163 Euro mehr als in der Schweiz. Zwar gehe ein Großteil des Kostenanstiegs auf wichtige neue Mittel etwa gegen Krebs zurück. Diese Neuerungen machten bei einem Marktanteil von zwei Prozent rund ein Viertel der Kosten aus, so Mitherausgeber Dieter Paffrath. Zu den Arzneimittelkosten kämen noch 1,5 Milliarden Euro für Impfungen.
Als weiteren Kostentreiber macht der Report teure Präparate aus, die ohne weiteres durch günstigere Medikamente ersetzt werden könnten - Sparpotenzial: 1,7 Milliarden Euro. Beispiel der Cholesterinsenker Inegy. Nur bei den Nachahmer-Medikamenten (Generika) seien gesetzliche Kostenbremsen einigermaßen erfolgreich gewesen. Schwabe kritisierte allerdings Prämien für die Apotheker bei diesen Mitteln. Die Sparmöglichkeiten von 1,1 Milliarden Euro bei den Generika würden durch die Rabattverträge der Kassen mit den Herstellern nicht einmal zu einem Drittel ausgenutzt.
AOK-Chef Herbert Reichelt kritisierte: "In Deutschland dürfen die Hersteller ihre Preise für neue Arzneimittel ohne jegliche Regulierung frei erfinden." Schwabe forderte eine "zeitgemäße Gesetzgebung" - etwa ein neues Gremium für zentrale Preisverhandlungen mit der Pharmaindustrie. Die Geschäftsführerin des Verbands forschender Arzneimittelhersteller, Cornelia Yzer, entgegnete: "Mit zentraler Preisfestsetzung treten wir nur den endgültigen Marsch in die Rationierung an."
Text nach dpa bei focus.de Bild Regina Kaute bei pixelio.de
Tags: Medikamente Arzneimittelkosten Krankenkassen
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