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Gesundheitsreform, Gesundheitspolitik
von muecke am 05.06.06

"Ärzte - junge wie ältere - wandern ins Ausland ab. Obwohl sie in Deutschland dringend gebraucht würden, ist man geneigt, sie zu verstehen. Schließlich arbeiten sie in England oder der Schweiz unter Bedingungen, von denen die Kollegen in Deutschland nur träumen können.
Glaubt man Erfahrungsberichten, so sind flache Hierarchien, Evidenz- statt Eminenzprinzip und kollegiale Gespräche statt chefärztlicher Erlasse am Visitenwagen andernorts üblich und das bei mehr Gehalt und zum Teil komfortablen Arbeitszeiten. Dagegen scheint es hierzulande kaum noch möglich zu sein, den "schönsten Beruf der Welt" unter erträglichen Bedingungen auszuüben.
Vor allem die Klinikärzte fordern geregelte Arbeitszeiten, angemessene Bezahlung und weniger Bürokratie von Politikern ein. Werden aber 30 Prozent mehr Gehalt und weniger Überstunden das Haifischbecken Klinik wieder zu einem attraktiven Arbeitsplatz machen? Oder muß man sich gedulden, bis der Nachwuchs, der jetzt flachere Hierarchien fordert, selbst in leitende Positionen aufgerückt ist?
Es wird wohl noch Jahre dauern, bis sich die Generation derer zur Ruhe setzt, die glauben, man müsse Nachtdiensthorror ohne Freizeitausgleich und zerstörerische Disziplinarmaßnahmen aus der Chefetage erfahren haben, um vernünftig Medizin machen zu können. Wenn dieses antiquierte Bild fortbesteht, wird das Klischee vom Arzt als Effizienzmaschine ohne Schmerzgrenzen bleiben. Und die Zahl der Ärzte, die Deutschland endgültig den Rücken kehren, wird weiter steigen."
Quelle: http://www.aerztezeitung.de/docs/2006/05/04/081a0204.asp?cat=/politik/gesundheitssystem_uns (Stefan Käshammer)
Bildquelle: http://www.berufskleidung-spoerl.de/Arzt.html
Permalink: Ärzte: Abwanderung ins Ausland
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Wong
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Kommentar von:
Michael
(06.06.06 20:11 Uhr)
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...ich hab den dringenden Verdacht, dass sich bei den Herren Ärztekollegen ein wenig die Blickwinkel verschoben haben - gerade angesichts der akutellen Streikdebatte. Noch immer verdienen Ärzte doch deutlich zuviel gegenüber anderen Gesundheitsarbeitern im klinischen Bereich. Dass die Arbeitsbedingungen schlecht sind, ist keine Frage, aber die Bedingungen der anderen Berufsgruppen sind auch nicht gerade besser geworden. Das ist siche kein Arument für schlechte Arbeitsbedingungen, aber eines dafür, dass sich die Ärzteschaft endlich mit den anderen Berufsgruppen zusammen tut und eine grundlegende Renovierung des Systems fordert.
Aber was machen die Ärzte: Sie gründen eine akademikergerechte Privat-Gewerkschaft und kochen ihre eigenen Süppchen.
Die Ärzteschaft hat sich viel von der Misere selbst eingebrockt und löffelt nun aus, was sie sich jahrelang versäumt haben.
Und das noch: Erzähle mir doch kein Arzt ernsthaft, dass er (nach dem AIP) weniger als die auch nicht gerade wenig belastete und auf einem ähnlich hohen Verantwortungsniveau arbeitende Krankenschwester verdient...
Michael