Asthma: mit verantwortliches Gen entdeckt!

Asthma: mit verantwortliches Gen entdeckt!

Forscher aus London, aus München, aus Michigan (und …?) haben eine Erbanlage, ein Gen entdeckt, das für die Entstehung von Asthma bei Kindern mit verantwortlich ist. Bei Kindern mit einer solchen Genvariante ist, wie es heißt, das Risiko, an Asthma zu erkranken, sechzig bis siebzig Prozent höher als bei anderen.

Gleich von "Asthma-Gen" zu sprechen, wie in der Pressemitteilung, finde ich allerdings eine unerlaubte Vereinfachung – weder ist Asthma rein genetisch bedingt (also vererbt), noch würde es (wenn schon) von einem einzigen Gen abhängen!

Mehr als zweitausend Kinder wurden untersucht, von denen knapp tausend an Asthma litten. Die Forscher untersuchten bei den Kindern Mutationen (nicht voraussagbare Erbabweichungen) in den genetischen Bausteinen und analysierten die ausprägung bestimmter Gene in den Blutzellen der Kinder. Dabei stießen sie auf den Zusammenhang zwischen der Ausprägung eines Gens namens ORMDL3 und dem Asthmarisiko. Dieses Gen gehört zu einer Genfamilie, die nach bisherigen Erkenntnissen bei der Bildung von bestimmten Bausteinen in den Membranen (den "Häuten") der Zelle eine Rolle spielt. Völlig unklar ist jedoch, warum es sich auf das Asthmarisiko auswirkt

Ähnliche Gene seien bereits in einfachen Organismen wie der Hefe gefunden worden, erläutert einer der beteiligten Wissenschaftler. Er vermutet, dass ORMDL3 Teil eines sehr ursprünglichen Mechanismus der Immunabwehr ist. Direkt Teil einer allergischen Reaktion sei es jedoch nicht. Da das Gen bei Asthmatikern besonders aktiv ist, könnte es ein neuer Ansatzpunkt für Therapien gegen die Krankheit oder für die Vorbeugung sein, hoffen die Forscher. Dazu müssten jedoch in weiteren Studien die genaueren Zusammenhänge geklärt werden.

Asthma entsteht aus einem bisher noch nicht in den Einzelheiten verstandenen Zusammenspiel von Auslösern aus der Umwelt und genetischen (ererbten) Faktoren. Wissenschaftler hatten in der Vergangenheit immer wieder Vermutungen über bestimmte Gene angestellt, die mit verantwortlich sein könnten. Mit ihrer Studie jedoch haben offenbar die Forscher den bisher stärksten bekannten Effekt eines Gens auf die Erkrankung beobachtet.

Originalveröffentlichung: Miriam Moffatt (Imperial College, London), Michael Kabesch (Ludwig-Maximilian-Universität, München), Liming Liang (Universität von Michigan, Ann Arbor) et al.: Nature (DOI: 10.1038/nature06014).

Meine Quelle: ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald
Bild: allergiecheck.de


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