Atomkraftwerke: Gefahr fuer Gesundheit - Zahl der Kinder mit Blutkrebs / Leukaemie erhoeht
abgelegt im Archiv Gesundheitsreform, Gesundheitspolitik am 11.12.07
Jetzt hat eine Studie es klar belegt: Die Zahl der an Leukämie / Blutkrebs erkrankten Kinder ist umso höher, je näher sie an einem AKW wohnen. Das ist zunächst nur ein statistischer Zusammenhang, gewiss, aber er soll signifikant sein (also in einem Zahlenbereich mit Aussagekraft liegen). Und doch wird bezweifelt, ob die Strahlung die Ursache ist (ob also ein Kausalzusammenhang besteht). Nun habe ich hier ja auch schon kritisiert, dass allzu oft aus einer bloßen Korrelation (wenn das eine, dann das andere ...) auf einen Kausalzusammenhang, ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis geschlossen wird. Komisch, dass gerade in diesem Fall Zweifel geäußert werden - ist man zu vorsichtig, weil man Druck aus Kreisen der Industrie befürchtet? Vorauseilender Gehorsam??
Einen guten Überblick zu der Sachlage bekommt man bei welt.de - hier ein paar Textauszüge:
"Kleinkinder, die im Fünf-Kilometer-Umkreis von Atommeilern aufwachsen, haben anscheinend ein deutlich höheres Blutkrebs-Risiko.
Das ergab eine Langzeituntersuchung des Deutschen Kinderkrebsregisters im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigte eine genaue Prüfung der Studie durch die Strahlenschutzkommission (SSK) an.
Danach werde über das weitere Vorgehen entschieden. Nach wissenschaftlichem Kenntnisstand könne der beobachtete Anstieg nicht mit der Strahlenbelastung aus einem atomkraftwerk erklärt werden, sagte Gabriel und gab damit auch die Einschätzung des BfS wieder. Nach Worten des Ministers müsste die Strahlenbelastung der Bevölkerung durch den Betrieb der Atomkraftwerke in Deutschland um mindestens das Tausendfache höher sein, um den beobachteten Anstieg des Krebsrisikos erklären zu können. Grüne, Linke, Greenpeace und die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW, die die Studie mitinitiiert hatte, forderten Konsequenzen.
Laut Studie nimmt die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort zu. Im Umkreis von fünf Kilometern um die 16 deutschen Kernkraftwerke wurde für den Untersuchungszeitraum von 1980 bis 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs, davon 37 an Leukämie (Blutkrebs) erkrankt sind. Im statistischen Durchschnitt wären nach Darstellung der Wissenschaftler 48 Krebs- beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten gewesen. Nach der Studie treten somit zusätzlich 1,2 Krebs- beziehungsweise 0,8 Leukämiefälle pro Jahr in der näheren Umgebung aller 16 Standorte auf."
Lesen Sie mehr bei welt.de
Auf der Seite des Gesundheitsministeriums bmg war merkwürdigerweise gar nichts zu dem Thema zu finden.
Das Bundesamt für Strahlenschutz allerdings kommt nicht um das Thema herum - auf widersprüchliche Weise. Schade, vertane Chance!
Auch darüber ein paar Zitate:
"Dem Ministerium zufolge gibt die Studie ausschließlich den statistischen Zusammenhang der Entfernung des Wohnorts vom Standort des Atomkraftwerks wieder. Zu den Ursachen der erhöhten Krebsraten enthalte sie keine Aussagen. Das BfS erklärte, das Ergebnis könne «nicht plausibel mit den tatsächlichen Ableitungen aus den Reaktoren erklärt werden». Allerdings könnten auch andere mögliche Risikofaktoren, die im Zusammenhang mit Leukämie bei Kindern in Betracht zu ziehen seien, «den entfernungsabhängigen Risikoanstieg derzeit nicht erklären»."
Bildquelle: gymtamsweg.salzburg.at

Permalink: Atomkraftwerke: Gefahr fuer Gesundheit - Zahl der Kinder mit Blutkrebs / Leukaemie erhoeht
Tags: AKW Strahlenschutz Leukämie Radioaktivität
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