Diabetes bei Migranten, Migrantinnen, Menschen mit Migrationshintergrund

Diabetes bei Migranten, Migrantinnen, Menschen mit Migrationshintergrund

"Neben Sprache und Kultur sind es die soziale Schicht und die mangelnde Bildung, die eine effektive Prävention und eine geeignete Behandlung verhindern. Alle bisherigen Konzepte und zukünftigen Maßnahmen, müssen diese Faktoren berücksichtigen, um erfolgreich zu sein" – das sagt Dr. med. Batuhan Parmakerli-Czemmel. Er meint Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund – davon soll es rund 15,3 Millionen in Deutschland geben; wussten Sie das?
Unter diesen Menschen besteht ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Einer Studie zufolge sollen z.B. überproportional viele türkische Migranten an Typ-2-Diabetes erkrankt sein: schätzungsweise etwa 14,9 Prozent im Vergleich zu rund sieben Prozent der Gesamtbevölkerung. Insgesamt sind es mindestens eine Million Erkrankte mit Migrationshintergrund.

Dr. Parmakerli-Czemmel ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Migranten in der DDG, der Deutschen Diabetes-Gesellschaft – und die hat sich vorgenommen, sich mehr darum zu kümmern.

Kleiner Zwischenruf: Warum kommt man erst jetzt darauf? Ist das vielleicht so, dass die mangelnde Integration – die jetzt politisch allseits beklagt wird – auch ganz viel mit unserem Verhalten bzw. dem der Menschen in Heilberufen, weit gefasst, zu tun hat? Und die Ursachen sonst? Doch lesen Sie weiter:

"Neben Sprache und Kultur sind es die soziale Schicht und die mangelnde Bildung, die eine effektive Prävention und eine geeignete Behandlung verhindern. Alle bisherigen Konzepte und zukünftigen Maßnahmen, müssen diese Faktoren berücksichtigen, um erfolgreich zu sein", fordert Parmakerli-Czemmel. Ein Ziel des Diabetes-Forums 2006 sei deshalb, dass zukünftig alle Arbeitsgemeinschaften der DDG dies in ihrer Arbeit stärker berücksichtigen. Dazu gehöre beispielsweise, dass jede AG einen Migranten-Beauftragten benennt.
"Die AG Diabetes und Migranten ist eine von 17 Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). In der AG erarbeiten Ärzte, Psychologen, Diabetesberater und Betroffene Lösungen, um Migranten in Deutschland adäquat, leitlinienorientiert und nach evidenzbasierter Medizin zu betreuen. U. a. erarbeitet die AG zurzeit für die Deutsche Diabetes-Stiftung einen Entwurf für ein regionales Präventionsprogramm 'Diabetes-Prävention: Zielgruppe Migranten und andere Bevölkerungsgruppen mit niedrigem sozioökonomischen Status'".

Klingt leider teilweise etwas zu steif-bürokratisch oder fachlich-papieren – aber wenn's denn wirklich in die Tat umgesetzt wird (vielleicht sogar rasch?), ist das sehr zu begrüßen!

Weitere Einzelheiten bei idw (meine Quelle) und auf der Seite der DDG (Suchfunktion benutzen).
Gut aufbereitet hat das Thema auch der WDR auf seiner Internetseite.
Bild: diabetes-journal.de.


2 Responses to “Diabetes bei Migranten, Migrantinnen, Menschen mit Migrationshintergrund”

  1. Martin Flörkemeier Says:

    Ein wichtiges Thema, das bisher zum Teil noch vernachlässigt wird. Ein Projekt, das bereits seit längerer Zeit läuft, ist MiMi – Mit Migranten für Migranten. Wird im Auftrag des BKK Bundesverbandes vom Ethno-Medizinischen Zentrum Hannover e.V. durchgeführt. MiMi fördert eine Ausbildung von Migranten (so genannten Gesundheitswegweisern), die sie befähigt, ihre Landsleute über das deutsche Gesundheitssystem zu informieren und zu beraten. So gelangen Informationen über Gesundheits-Einrichtungen, deren Nutzungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen verständlich zu anderen Migranten.

  2. Helge Says:

    Na, darauf hatte ich hier ja sogar schon hingewiesen (hätte ja, zugegeben, einen internen Querlink setzen können). Der Hinweis seinerzeit, abermals zugegeben, weil ich persönlichen Einblick habe, schließlich bin ich in Hannover …
    Herzlichen Dank aber für den Kommentar – fürwahr ein wichtiges Thema.

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