Dinkel: urtümliche Natur, also gut ?

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Ein Bloggerkollege schreibt über sein Dinkelkissen, das er schon als "kleiner Junge" kennen lernte. Und meint dann am Schluss – gewiss kokettierend oder selbstironisch -, über was für einen "Mist" (unwichtigen Kram) er denn heute wohl schreibe …
Natürlich kein "Mist", sondern durchaus bedenkenswert – jedenfalls hat es mich motiviert, dem einmal nachzugehen:
Warum soll Dinkel so heilsam, so wirksam sein? Denn alles, was aus der Natur kommt (in diesem Fall von einer urtümlichen Kulturpflanze), muss ja deshalb nicht gleich gut sein, man wird es ja mal hinterfragen können.

Dinkel ist ein lange fast vergessenes, heute in der gesundheitsbewussten Szene wieder entdecktes Getreide: wissenschaftlich Triticum spelta, auch Spelz genannt – ein Vorläufer des heutigen Weizen; soll im späten Steinzeitalter aus einer Kreuzung von Emmer (Urweizen) und Zwergweizen entstanden sein (was ich hier gelesen habe).

Bei der Ernährung ist er günstiger als jeder Weizen, weil er einen höheren Vitamin- und Mineralstoffgehalt besitzt, außerdem einen hohen Gehalt an Kieselsäure und an Kleberweiweiß (dadurch gute Backeigenschaften) (Infos auf der AOK-Site).

Die naturheilkundliche Anwendung beruft sich auf Hildegard von Bingen. Sie soll gesagt haben: "Der Dinkel ist das beste Getreide, wärmend, fettend, hochwertig und leichter verträglich als alle anderen Getreide. Der Dinkel verschafft seinem Esser rechtes Fleisch und rechtes Blut und verleiht einen frohen Sinn, die Seele des Menschen macht er froh und voll Heiterkeit. Und wie auch immer die Menschen den Dinkel essen, sei es in Brot, sei es in anderen Speisen, er ist gut und mild. Wenn jemand vom Kranksein so geschwächt ist, dass er vor Schwäche nicht einmal mehr essen (beißen) kann, dann nimm bloß ganze Körner von Dinkel und koche sie tüchtig in Wasser, füge Butter oder Eidotter, Salz hinzu, wodurch das Essen noch ein wenig schmackhafter wird und der Kranke es lieber ißt. Das gib dem Kranken zu essen und es heilt ihn von innen heraus wie eine gute und heilsame Salbe." (Zitat a.a.O.)

Mein Phytotherapie-Lehrbuch von Josef Karl führt Dinkel nicht extra auf, aber die nahe verwandte Quecke (und natürlich Weizen). Sie soll als Blutreinigungsmittel, als mildes Diuretikum (entwässernd) wirken und positiv bei Entzündungen im Magen-Darm-Bereich (Gastroduodenitis) und bei rheumatischen Beschwerden.
Dass Dinkel wegen des hohen Kieselsäuregehalts auf Haut und Haar günstig wirkt, dürfte sicher sein!

Und warum ist das Kissen so günstig? Klar, die mechanische Seite, Unterstützung des Nackens usw., aber das würde ja auch für andere Füllungen gelten. Ich denke, es ist klimatisch günstig – dazu gehört auch die gute Feuchtigkeitsaufnahme (Schwitzen am Kopf wird gemildert). Ob die anderen Wirkungen, die auch auf der Website "Dinkelkissen" genannt sind, wirklich vom Kissen auf den Körper eintreten können, das möchte ich eher bezweifeln: Innerliche Einnahme (Tinktur, Heiltee oder über die Nahrung) dürfte effektvoller sein.
(Nur zum Vergleich: Hafer wirkt bekanntlich beruhigend und Schlaf fördernd – aber auch vom Kissen aus?)
Das müsste dann schon eine "homöopathische" Wirkung sein (also auf feinstofflichem Wege) oder über die Fantasie …
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Bildquelle: http://www.dinkel-infocenter.de
Text: Helge Mücke


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