Epo, Blutdoping: Hintergrund der Dopingskandale

Epo, Blutdoping: Hintergrund der Dopingskandale

In diesem Gesundheits-Weblog stehen, das wissen Sie, Skandale nicht gerade im Zentrum – außerdem habe ich ja aktuelle Informationen versprochen, "von denen die LeserInnen auch praktisch etwas haben", Sie können es rechts am Rand nachlesen. Aber zur praktischen Ausübung des Dopings will ich Sie nun wirklich nicht anregen!
Dennoch werden Sie zu Recht erwarten, dass ich hier die Möglichkeit gebe, die sachlichen Hintergründe zu verstehen.

Blutdoping und Epo-Doping sind zweierlei, haben aber doch eine gemeinsame Wurzel: Sie nutzen die Tatsache, dass eine höhere Zahl von Blutkörperchen im Blut zu einer stärkeren Sauerstoffaufnahme führt und damit zu stärkerer Leistung befähigt (die Muskeln haben für ihre Arbeit mehr Sauerstoff).
Der Körper ist sogar in der Lage, sich kurzfristig auf eine veränderte Umwelt einzustellen: Im Hochgebirge in der "dünnen Luft" (weniger Sauerstoff) erhöht sich die Zahl der roten Blutkörperchen, sodass dann die geringere Sauerstoffmenge besser ausgenutzt werden kann (rund zwei Wochen dauert es aber) – kommt man dann ins Flachland zurück, bleibt die erhöhte Leistungsfähigkeit noch eine Weile erhalten. Das ist der Grund, weshalb bei verschiedenen Sportarten die Trainingslager immer wieder ins Gebirge verlegt wurden – eine noch ziemlich "harmlose" Art der Leistungssteigerung.

Beim "Blutdoping" wird Fremd- oder Eigenblut injiziert, was ebenfalls eine erhöhte Zahl von roten Blutkörperchen bedeutet (mehr Sauerstoff, mehr Leistung). Beim Fremdblut sind die Risiken größer (z.B. allergische Reaktionen oder Infektionen). Die Zuführung von Eigenblut ist (anders als die von Fremdblut) praktisch nicht nachweisbar.

"Epo" ist die Abkürzung für Erythropoetin – ein Hormon, das der Körper natürlicherweise in der Niere produziert. Es fördert die Bildung neuer roter Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark. Andere Hormone tragen zu der Wirkung bei.
Epo lässt sich künstlich in beliebiger Menge herstellen, seit man das entsprechende Gen (Erbanlage) des Menschen klonen (identisch erzeugen) kann. Das Präparat wurde ursprünglich als Medikament für Nierenkranke entwickelt.
Beim Epo-Doping wird das Epo-Präparat eingenommen, ebenfalls um die Sauerstoffaufnahme und damit die Leistungsfähigkeit zu steigern – der Nachweis ist schwierig. Zu den Risiken zählen vor allem Thrombose (Verklumpung des Blutes) oder Kreislaufversagen.

Zum aktuellen Skandal (ich beziehe mich auf die Meldungen des vergangenen Tages, ohne eigene Urteilsmöglichkeit): Die Patente für das bisherige Epo-Medikament laufen in Kürze aus. Verschiedene Pharma-Firmen, die sich auf Nachahmersubstanzen spezialisiert haben, werden versuchen, Produkte auf den Markt zu bringen, die wirkungsgleich sind. Der Markt wird damit überschwemmt werden, die Preise werden drastisch sinken – da so viele Nierenkranke gar nicht versorgt werden müssen, kann man sich denken, wohin die Zielrichtung geht.
Die Firma Stada hat die Zulassung für ihr Biosimilar längst beantragt und will das Produkt unter dem Namen "Epoetin-zeta" von 2008 an vermarkten.
Das ausgerechnet ist die Firma, die den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) als Sponsor unterstützt, der sich – nach Selbstaussagen – dem Anti-Doping-Kampf verschrieben hat. Präsident Scharping und das Unternehmen sehen keinen Interessenkonflikt.

Text mit eigenen Ergänzungen nach / viele weitere Einzelheiten in: sportunterricht.de und faz.net
Bild: med4you.at

Das habe ich noch nie gemacht – was das Internet alles ermöglicht …: einen Link in die Zukunft. Was ist ein Biosimilar? Bei Wikipedia gibt es das als eigenes Stichwort noch nicht. Die Erklärung habe ich ein paar Tage später nachgeliefert.


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