Fit statt Fett – Uebergewicht in Deutschland: Aerztezeitung stellt klar

Auch die Ärztezeitung befasst sich natürlich mit dem Thema – zu Recht konnte man das erwarten. Sie widmet ihm auch einen Kommentar. Beides hat Gabriele Wagner geschrieben. Ich kann an dieser Stelle nur die wichtigsten Aussagen zitieren oder referieren – und empfehle, das Ganze im Wortlaut zu lesen (Link unten).
Deutschland habe die meisten dicken Männer und Frauen im Vergleich aller 25 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union: Bei uns seien 75 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen übergewichtig oder adipös. Das hat eine Studie der International Association for the Study of Obesity (IASO) ergeben, wir haben in diesem Blog darüber berichtet.
Allerdings, so stellt die Ärztezeitung klar: Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin findet es fraglich, ob die Zahlen für Deutschland mit denen der anderen EU-Länder verglichen werden können. Und ob daraus eine Rangliste abgeleitet werden kann (Epi Bull 18, 2007, 1). Denn die Daten wurden in den verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Methoden erhoben.
Bei den Daten aus Deutschland, die in der IASO-Studie verwendet wurden, sind nur die der 25- bis 69-Jährigen berücksichtigt. In vielen anderen Ländern wurden auch die 18- bis 24-Jährigen einbezogen.
Laut RKI sehen die Ergebnisse anders aus, wenn man Daten von Menschen ab 18 Jahre berücksichtigt. So geschehen im telefonischen Gesundheitssurvey 2003 des RKI. Danach sind 67 Prozent der Männer in Deutschland und 54 Prozent der Frauen übergewichtig oder adipös. Vergleicht man diese Zahlen mit denen der EU-Länder, dann liegt Deutschland im oberen Mittelfeld etwa zusammen mit Finnland, England oder Ã-sterreich.
Warum das? Nach den Daten des RKI-Surveys gibt es einen starken Anstieg der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas beim Übergang vom jungen zum mittleren Erwachsenenalter: Bei den 18- bis 29-Jährigen sind etwa 30 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen zu dick.
Bei den 30- bis 39-Jährigen haben sich diese Zahlen verdoppelt: auf 60 und 40 Prozent. Bezieht man also in die Berechnungen zum Anteil der Übergewichtigen die 18- bis 24-Jährigen nicht ein – wie in der IASO-Studie geschehen, ergibt sich ein falsch hoher Wert. Das kann allerdings letztlich kein "Trost" sein – zu hoch sind die Zahlen in jedem Fall.
Der Artikel benennt einige weitere Unterschiede nach den statistischen Methoden, die hier nachgelesen werden können.
Packen wir es an, das Fettproblem! – überschreibt Gabriele Wagner ihren Kommentar. Ganz egal, an welcher Stelle wir Deutschen genau stehen: "Fakt ist, dass in Deutschland zwei von drei Männern und mehr als jede zweite Frau zu dick sind." Und je älter, desto mehr Dicke: Bei den über 60-Jährigen haben 80 Prozent zu viel Gewicht.
Bei ihnen helfen Präventionsprogramme aber nicht mehr, sie müssten ihren Lebensstil ändern.
Anders bei Kindern und Jugendlichen: "Da viele von ihnen offenbar zuhause nicht mehr lernen, was am besten gegessen wird, mag es Erfolg versprechend sein, Unterricht in Kindergärten und Schulen zu ausgewogener Ernährung und ausreichender Bewegung einzuführen."
Ganz neu sei das Problem allerdings nicht …
Den ganzen Kommentar können Sie hier nachlesen.
Bildquelle: horusmedia.de
Mai 10th, 2007 at 23:05
Abwiegeln ist so leicht, natürlich kann man fast jede Studie so interpretieren wie man will, ein Glas kann halbvoll oder halbleer sein. Vielleicht sollte die Ärztezeitung sich weniger um Formalien sondern eher um die Gesundheit der Bürger kümmern.