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G-8-Gipfel: Armut ohne Gesundheitsversorgung - 1,3 Milliarden ohne Krankenversicherung

abgelegt im Archiv Gesundheitsreform, Gesundheitspolitik , Prävention, Gesundheitsvorsorge am 07.06.07

G-8-Gipfel: Armut ohne Gesundheitsversorgung - 1,3 Milliarden ohne Krankenversicherung
"Zu spät: Der Familienvater aus Ruanda erreicht zwar noch das Krankenhaus, doch wenig später stirbt er an einem Blinddarmdurchbruch, die Ärzte können nicht mehr helfen. Zu lange hat der Mann gezögert, zu lange seine Schmerzen ignoriert. Eine Krankenhausbehandlung? Viel zu teuer, womit soll er sie bezahlen?" - so fängt, schön journalistisch aufbereitet, die Story an, die ich in der Ärzte-Zeitung (online) fand. Nach langem Zögern hat die Familie dann doch, so wird weiter erzählt, die einzige Kuh auf dem Markt verkauft - unter großem Zeitdruck, deshalb hat sie nur einen Bruchteil des Geldes gebracht, das unter normalen Umständen zu erwarten wäre. Mit dem Erlös sollte die Krankenhausbehandlung finanziert werden. - Jetzt aber steht der Rest der Familie vor dem Ruin: der Vater ist tot, die Kuh als Produktionskapital verkauft, das Geld weg, der rasante Fall in die armut nicht mehr zu verhindern.

Der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) Dr. Bernd Eisenblätter hat diese Geschichte bei einer Konferenz über soziale Krankenversicherungen in Entwicklungsländern geschildert. Das Schicksal der jungen Familie aus Ruanda ist kein Einzelfall. Nach Schätzungen der WHO stürzen Jahr für Jahr weltweit 100 Millionen Menschen ins soziale Nichts, weil sie für dringend notwendige medizinische Leistungen zahlen müssen und dabei ihre wirtschaftliche Existenz vernichten.

Die G-8-Staaten haben bei ihrem Gipfel im vergangenen Jahr in St. Petersburg klargestellt, dass dieses Problem "durch eine breite Palette von Finanzierungsoptionen, darunter Krankenversicherungsprogramme" wirkungsvoll bekämpft werden muss. "Wir befürworten eine intensivere Diskussion auf internationaler Ebene über praktische Strategien zur Ausweitung staatlicher, privater und gemeinschaftlicher Krankenversicherungen in den Entwicklungsländern", heißt es im Abschlussprotokoll von St. Petersburg.

Kein Zweifel, es besteht Handlungsbedarf: 1,3 Milliarden Menschen weltweit ist der Zugang zu einer effektiven und bezahlbaren Gesundheitsversorgung versperrt.

Die GTZ leistet in mehreren Ländern Afrikas Aufbauarbeit bei der Entwicklung von Krankenversicherungssystemen. Solidarisch gestaltete und fair finanzierte Gesundheitssysteme sind im Idealfall das Ziel; Versorgungsmodelle, die nachhaltig wirken und mit denen es gelingen soll, Verarmung zu verhindern und den Teufelskreis von Armut und Krankheit aufzubrechen. "Das muss im jeweiligen Landeskontext geschehen, es gibt hier keine Blaupause", stellt Dr. Matthias Rompel klar, Projektleiter für Systeme sozialer Sicherheit bei der GTZ. Jedes System, sagt Rompel, müsse sich behutsam an die Bedingungen am jeweiligen Ort anpassen.

David de Ferranti, bis 1995 Vizedirektor der Weltbank, und Julio Frenk, Arzt, Ex-Gesundheitsminister von Mexiko und WHO-Exekutivdirektor, haben die G-8-Staaten aufgefordert, darauf zu drängen, dass globale Initiativen unmittelbar in die Stärkung nationaler Gesundheitsfinanzierungssysteme fließen müssen. De Ferranti und Frenk gehören zur "Health Financing Task Force", einer gemeinnützigen Organisation, die Entwicklungsländer fit machen will für effiziente Gesundheitsversorgung. "Die ärmsten Bewohner dieses Planeten tragen die größte Krankheitslast", kritisieren sie. Mehr als drei Fünftel der gesamten Gesundheitsausgaben in armen Ländern bringen Kranke aus der eigenen Tasche auf.

Weitere Informationen: gtz.de und healthfinancingtaskforce.org (Bild von dort)


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Tags: Krankenkasse  Entwicklungshilfe  G8Gipfel  Afrika  Gesundheitsversorgung 

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