Gedächtnis, Lernfähigkeit abhängig vom Ernährungszustand?
abgelegt im Archiv Ernährung am 21.02.06

Dass ein voller Bauch nicht gerne studiert, wie das Sprichwort es sagt, wird sicher jeder bestätigen können. Ob auch im Gegenteil bei Hunger das Lernen leichter fällt, kann ich nach meinen Erfahrungen nicht eindeutig sagen - wenn mir flau war und der Magen zu knurren begann, fiel mir meist auch nichts ein.
Amerikanische Forscher der Yale-Universität glauben jetzt den Zusammenhang stofflich belegen zu können: Bei leerem Magen wird vom Körper vermehrt das Hormon Ghrelin gebildet. Es dockt in den für das Lernen zuständigen Hirnregionen an Nervenzellen an und bringt sie dazu, neue Kontakte mit anderen Nervenzellen zu knüpfen. Mit anderen Worten: Bei schlechtem Ernährungszustand wird die Vernetzung der Nerven verstärkt und damit Gedächtnis und Lernfähigkeit verbessert.Ghrelin wird in der Magenschleimhaut gebildet, wandert über das Blut durch die Blut-Hirn-Schranke hindurch in das Gehirn und bewirkt dort verschiedene biologisch sinnvolle Folgen, von denen einige schon bekannt waren: Vom Hypothalamus aus wird der appetit gesteigert; in der Hypophyse, der Hirnanhangdrüse, werden vermehrt Wachstumsfaktoren hergestellt; und - das neue Ergebnis - im Hippocampus werden verstärkt (an den Synapsen) Kontakte zwischen Nervenzellen hergestellt. Dass dies sich auf Lernfähigkeit und Gedächtnis verbessernd auswirkt, konnte in Lernversuchen (an Nagetieren) nachgewiesen werden.
Auch dieses Ergebnis wurde an Ratten und Mäusen gewonnen. Die Forscher halten es aber für "sehr wahrscheinlich, dass Ghrelin beim Menschen eine ähnliche Wirkung hat". Eine praktische Folge müsste die Studie in jedem Fall haben: Beim übergewichtigen Menschen solche Appetitzügler einzusetzen, die das Ghrelinsystem blockieren - das muss man demnach für höchst fragwürdig halten.Übrigens "Ghrelin" ist abgeleitet von "Growth Hormone Release", etwa: Wachstumshormone Freisetzer - s. http://de.wikipedia.org/wiki/Ghrelin.
Bildquelle: http://www.oraltronics.org/images/frau_buch.jpg
Text nach: http://www.wissenschaft.de/wissen/news/262072.html (Originalveröffentlichung: Tamas Horvath (Yale-Universität, New Haven) et al.: Nature Neuroscience)

Tags: Gedächtnis Lernfähigkeit gesundheit gedã¤chtnis lernfã¤higkeit ged&ati
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Wong
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Kommentar von:
Cornelius
(01.06.06 3:42 Uhr)
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