Gentherapie: „Rätselhafter" Patiententod

Gentherapie: „Rätselhafter" Patiententod

Diese Meldung, die auch sonst durch die Medien flatterte, habe ich hier bisher nicht aufgegriffen – weil ich hoffte, man würde bald noch mehr erfahren; doch lässt das auf sich warten, ich werde Sie aber auf dem laufenden halten.
Von Anfang an wurde die Gentherapie – der Einsatz der Gentechnik bei Erbkrankheiten – mit sehr kritischen Stimmen begleitet. Material findet sich z.B. auf der Seite "kritische-bioethik". Wir wissen einfach zu wenig über die möglichen Folgen
, vor allem die für das Immunsystem – ich weiß, dass ich damit sehr vereinfache, aber der Anschaulichkeit zuliebe: Immerhin führen wir etwas Fremdes in den Körper ein – nämlich das "richtige Gen", die Erbanlage, die bei dem Kranken fehlt oder fehlerhaft ist; und es könnte ja doch sein, dass der Körper mit Abwehrreaktionen reagiert, weil er den "Fremdkörper wieder loswerden will" (wie das ja auch bei Organverpflanzungen der Fall ist; mit massiven Medikamenten wird da die Abstoßungsreaktion verhindert).
So ähnlich muss man sich das vorstellen, was bei diesem Patiententod nach Gentherapie passiert ist. Ich gebe die Meldung mit kleinen Zusätzen in Klammern wieder:

"Einer von zwei Patienten mit Chronischer Granulomatose (Erläuterung bei wikipedia), die – wie berichtet – an der Uniklinik Frankfurt am Main eine Gentherapie erhalten hatten, ist gestorben …

Dem Mann waren im Alter von 26 Jahren Stammzellen (Zellen, die noch nicht spezialisiert sind) entnommen und die Zellen mit Genen für ein funktionsfähiges Enzym, die NADPH-Oxidase, angereichert worden. Am 10. April ist er in der Uniklinik Düsseldorf, seiner Heimatstadt, gestorben. Das hat Studienleiter Professor Dieter Hoelzer von der Uniklinik Frankfurt am Main beim Internistenkongreß berichtet.

'Der Tod war für uns ein Schock', sagten Hoelzer und die behandelnde Ärztin Dr. Marion Ott zur 'Ärzte Zeitung'. 'Im Moment sieht es nicht so aus, als gebe es einen Zusammenhang mit unerwünschten Effekten der Gentherapie, aber um das beurteilen zu können, müssen wir die genauen Untersuchungsergebnisse abwarten.'

Todesursache ist ein Multiorganversagen nach schwerer Sepsis (sog. Blutvergiftung)und Kolonperforation (durchlöchertem Darm) bei pseudomembranöser Enterokolitis (Darmentzündung). In Düsseldorf wurde dem Mann Anfang April die Milz entfernt. Dann entwickelte sich das fulminante Krankheitsgeschehen.

Dem zweiten Frankfurter Patienten gehe es nach wie vor sehr gut, betonte Hoelzer, ebenso einem mit der Gentherapie behandelten Schweizer Jungen. Der Tod des Mannes ist zur Zeit kein beleg dafür, daß die Gentherapie nicht gewirkt habe, sagt Professor Klaus Cichutek aus Langen, Vorsitzender der Kommission Somatische Gentherapie bei der Bundesärztekammer."
Quelle: http://www.aerztezeitung.de/docs/2006/04/27/077a0104.asp?cat=/medizin/gentechnik

Die Ärztezeitung bringt auch einen Hintergrundbericht:
http://www.aerztezeitung.de/docs/2006/04/27/077a0203.asp

Bildquelle: http://www.krebshilfe.de


One Response to “Gentherapie: „Rätselhafter" Patiententod”

  1. Barbara Says:

    Ich frage mich,was die Mediziner erwarten, wenn sie wie staunende Kinder mit ihren Bauklötzchen an den Genen des Menschen “herumspielen”. “Ooch, jetzt ist der Patient tot, aber die Gentherapie hat gewirkt”. “Gewirkt” ist toll, aber könnten wir bitte ein wenig mehr Heilung haben, liebe Mediziner?
    Das erinnert mich fatal an die das “Wirken” der Chemotherapie bei Krebs: der Tumor ist verkleinert oder verschwunden, doch leider ist der Patient tot oder lebenslang verkrüppelt. Gezählt wird das als “Heilung”.
    Um das Gebiet Gentherapie , das seit einigen Jahren so “sexy” ist, das jeder dort forschen möchte, einmal in Perspektive zu stellen: bei der chronischen Granulomatose können in der Bundesrepublik bei 80 Millionen Einwohnern 267 Personen betroffen sein.
    Damit man mich richtig versteht: jeder Einzelne sollte möglichst lange am Leben gehalten werden. Zum Vergleich: Jedes Jahr sterben fast 14000 Frauen an Brustkrebs und es erkranken über 55000 Frauen neu. Wäre es nicht ein ganz klein wenig dringender ein Massnahmenpaket bereit zu stellen, das die nebenwirkungsfreie ( will sagen: mit hoher Lebensqualität ) Überlebenschance bei Brustkrebs erhöht?

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