Haut, Präventionskampagne: Einmalhandschuhe an Frischetheken kein Plus an Hygiene, Minus für VerkäuferInnen
abgelegt im Archiv Haut und Haar am 31.07.07
Alles hat sein Plus und Minus - seine zwei Seiten eben -, aber manchmal liegt das Plus nicht da, wo man es vermutet, und das Minus auf der anderen Seite.
So ist das mit den Einmalhandschuhen aus Kunststoff beim Verkauf von Wurst, Fleisch und Käse - an Frischetheken, wie man heute sagt. Jeder würde meinen, das ist für die Hygiene ungeheuer wichtig. Dem ist aber nicht so. Andererseits schadet das längere Tragen von Einmalhandschuhen der Haut des Verkaufspersonals.
In einem Forschungsprojekt haben die Fleischerei-Berufsgenossenschaft (FBG), die Berufsgenossenschaft für den Einzelhandel (BGE) und das Institut für Arbeitsschutz (BGIA) die Bakterienbelastung auf verschiedenen Oberflächen untersucht - auf der bloßen Hand, auf Einmalhandschuhen und auf Lebensmittelattrappen.
"Die Untersuchungen ergaben, dass Handflächen, Handschuhe und verwendete Geräte bereits nach fünfminütigem Umgang mit verschiedenen Lebensmitteln eine sehr starke Anreicherung von Bakterien zeigten."
Daraufhin wurde geprüft, inwiefern diese Bakterienanreicherung zum einen von den Handschuhen, zum anderen von der bloßen Hand auf die Lebensmittel übertragen werden. Dazu simulierten die Forscher die Arbeit an der Theke mit Hilfe von frischer Ware und Lebensmittelattrappen. Das Ergebnis: Es konnte kein Unterschied zwischen der Arbeit mit Handschuhen und jener mit bloßen Händen festgestellt werden. Denn, so zeigte der Versuch, wer Handschuhe benutzte, war eher geneigt, die Lebensmittel mit den Händen zu berühren. Wer keine trug, griff eher zum Hilfsmittel, etwa einer Gabel. "Für den Kunden haben Einmalhandschuhe an Frischetheken somit keinerlei hygienischen Vorteil". Derzeit wird auf der Grundlage dieser Ergebnisse von BGE und FBG ein Empfehlungspapier für Betriebe erarbeitet.
Für die Beschäftigten hat das lange Tragen von Einmalhandschuhen andererseits Nachteile, denn es erhöht das Risiko für berufsbedingte Hauterkrankungen. Der Grund: Durch das lange Tragen schwitzt die Haut und schafft so eine feuchte Atmosphäre im Handschuh. Die Haut trocknet aus, ihre natürliche Schutzschicht wird stellenweise zerstört, Bakterien und andere Erreger können eindringen. Ein Ekzem kann entstehen. Die Folge können langwierige Beschwerden bis zur Berufsaufgabe sein.
Berufsbedingte Hauterkrankungen sind keine Seltenheit. Im Jahr 2006 zählten die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung 9.175 bestätigte Hauterkrankungen - mit einem Prozentsatz von fast 40 Prozent liegen diese Erkrankungen damit an der Spitze der häufigsten bestätigten berufskrankheiten, noch vor Lärmschwerhörigkeit (23 Prozent) und Asbestose (8,5 Prozent). Zu den gefährdeten Berufsgruppen gehören vor allem Pflegekräfte, Friseure, Schlosser, Mechaniker und Verkaufspersonal in der Lebensmittelbranche. Hauptursache für die hohe Zahl an Hauterkrankungen ist Feuchtarbeit - dazu zählt auch das ununterbrochen lange Tragen von Handschuhen.
Die Präventionskampagne Haut ist eine gemeinsame Aktion von gesetzlicher Kranken- und Unfallversicherung. Insgesamt werben rund 120 Krankenkassen und Unfallversicherungsträger unter dem Motto "Deine Haut. Die wichtigsten 2 m² Deines Lebens" dafür, das größte Organ des Menschen zu schützen. Das Ziel der Kampagne lautet: "Gesunde Haut, weniger Hauterkrankungen!"
Weitere Informationen: 2m2haut.de

Tags: Haut Hygiene Einmalhandschuhe Kunststoff
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