Immunsystem: Arbeitsweise bestimmter Abwehrzellen erforscht

- oder auch: Selbstmörder mit Fangnetz retten den Körper
Heute kommt wieder ein Bericht über Grundlagenforschung. Die Art, wie das Immunsystem mit einer Infektion fertig wird, wie es Krankheitserreger abwehrt und bekämpft, versteht die Forschung immer besser. Schritt für Schritt. Berliner Forscher konnten jetzt einen weiteren Baustein zum vollen Verständnis hinzufügen – und dokumentieren. Je besser das Verständnis ist, umso eher kann man neue Therapien bzw. Medikamente finden, das dürfte klar sein.
Erreichen Erreger den Körper, arbeitet das Immunsystem unter Hochdruck an der Abwehr. Bestimmte Abwehrzellen – die neutrophilen Granulozyten – verschlucken und verdauen Bakterien, das ist seit langem bekannt. Erst seit 2004 weiß man, dass sie teilweise Fangnetze auswerfen (Neutrophil Extracellular Traps, kurz NETs). Man hat nur noch nicht genau verstanden, wie das geht.
Durch sorgfältige mikroskopische Untersuchungen konnten die Forscher jetzt aber mehr herausfinden: Die Neutrophilen durchlaufen ein Selbstmordprogramm – dabei wird aber nicht die DNA (das Erbgut) des Zellkerns in kleine Stücke zerschnitten (das gibt es bei anderen Selbstmordprogrammen), sondern insgesamt herausgequetscht.
Zuerst bemerkt man Veränderungen am Zellkern und an den Granula, den Speicherkörnchen für Abwehrenzyme (Enzyme = Wirkstoffe). "Die Hülle um den Kern zerfällt, die Granula lösen sich auf, und so können sich die NETs-Bestandteile im Innern der Zellen mischen", erklärt Prof. Brinkmann, der Leiter der Forschungsgruppe. Dann ziehen sich die Zellen auf einmal stark zusammen, sodass ihre Membran (ihre Hüllhaut) reißt. Durch den Riss wird die ganze Mischung in die Umgebung gepresst und entfaltet sich zu einem mit aggressiven Enzymen gespickten Fangnetz. Dieses Netz aus DNA und Abwehrproteinen (Proteine: Eiweißstoffe) vernichtet das bakterium.
Bild: Neutrophile Granulozyten können eine brisante Mischung aus DNA und Abwehrenzymen ausstoßen. Aufnahme: Dr. Volker Brinkmann, Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie
Meine Quelle Text und Bild: scienceticker.
Forschung: Tobias A. Fuchs, Ulrike Abed, Volker Brinkmann und Arturo Zychlinsky, Abteilung Zelluläre Mikrobiologie und Core Facility Mikroskopie, Max-Planck-Institut für infektionsbiologie, Berlin; und andere
Veröffentlichung Journal of Cell Biology, DOI 10.1083/jcb.200606027