Karies gibt es seit Urzeiten - Ergebnis einer Koevolution
abgelegt im Archiv Geschichte der Medizin, Historisches zum Thema Gesundheit , Zahnheilkunde am 27.03.07
Eine ähnliche Nachricht habe ich in diesem Gesundheits-Weblog schon im Zusammenhang mit dem Erreger der Magengeschwüre (Helicobacter pylori) zusammengefasst. Auch dieses bakterium gibt es praktisch so lange wie den Menschen - Mensch und Bakterium haben sich über lange Zeiträume (in der Stammesentwicklung = Evolution) gemeinsam entwickelt, sie sind Ergebnis einer "Koevolution".
Eines sollte man dabei allerdings nicht vergessen:
Bei beiden Wissenschaftsergebnissen handelt es sich um theoretische Überlegungen, um Analogieschlüsse, um "Hochrechnungen" - nicht aber um echte Belege oder Beweise z.B. durch Fossilien.
Die Menschen leiden unter Karies, seitdem sie vor mehr als 100.000 Jahren die "Wiege der Menschheit" in Afrika verließen. Das schließen amerikanische Wissenschaftler unter Leitung von Page Caufield aus einem Stammbaum des Karieserregers Streptococcus mutans, den sie aus genetischen Untersuchungen an sechzig verschiedenen Bakterienstämmen von fünf Kontinenten abgeleitet haben. Demnach gehen alle heute lebenden Karieserreger auf einen einzigen gemeinsamen Vorfahren aus Afrika zurück und haben sich später zusammen mit dem Menschen ausgebreitet - zuerst in Asien und dann in Europa.
"Es ist relativ einfach, die Evolution von Streptococcus mutans nachzuvollziehen, denn es vermehrt sich durch eine einfache Zellteilung", kommentierte Caufield die Ergebnisse.
Übrigens sind diese neuen Forschungen auch ein zusätzliches Indiz für die Modellvorstellung, dass die Wiege der Menschheit in Afrika stand!
Der Karieserreger Streptococcus mutans findet sich bei fast jedem Menschen im Speichel - allerdings nicht von Geburt an, sondern erst etwa ab dem zweiten Lebensjahr. Er wird meist über den Speichel der Mutter auf das Kind übertragen und siedelt sich auf den Zähnen an. Karies entsteht, wenn die sauren Stoffwechselprodukte des Bakteriums - und natürlich säuernde Einflüsse der Ernährung! - den Zahnschmelz angreifen und dabei die darunterliegenden Zahnschichten freilegen.
Weitere Einzelheiten finden sich in dem Referat, das Ilka Lehnen-Beyel für wissenschaft.de geschrieben hat.
Originalveröffentlichung: Page Caufield (New York University) et al.: Beitrag auf dem Jahrestreffen der International Association for Dental Research, New Orleans
Bild: kll.helsinki.fi

Tags: Karies Zahngesundheit Medizingeschichte Kariesbakterium Evolution Koevolution CoEvolution
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Med News
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