Kaum bekannt, gar nicht so selten: Alexithymie, Gefühlsblindheit
abgelegt im Archiv Medizin-News , Seelische Gesundheit, Psyche am 30.03.07
Diesmal nehme ich einen Fernsehbericht zum Anlass - Sie wissen ja, Fernsehen bildet: nicht wirklich ganz ernst gemeint, denn generell gilt das sicher nicht, aber zum Glück kann man immer wieder einmal auf Sendungen stoßen, die neue Einsichten vermitteln. "37 Grad" zum Beispiel ist eine Reihe, die nach wie vor sehenswerte Beiträge zeigt.
Die Sendung am Dienstag (27.3.) befasste sich mit Gefühlsblindheit, alexithymie - was etwa bedeutet: "Gefühle-nicht-lesen-können".
Natürlich habe ich auf der entsprechenden Seite des ZDF nachgelesen - und muss sagen, ich bin sehr begeistert, wie umfassend hier von den Kollegen das Thema dargestellt wird. Großes Kompliment an die Internet-Redaktion des ZDF!
Ich will deshalb hier auch nur ein paar Sätze zitieren - und rege an, die Seite im Original einzusehen (Adresse unten).
Alexithymie ist keineswegs selten: Nach Schätzungen von Experten, die sich mit dieser Krankheit befassen, sind etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen - Männer mehr (11,1 Prozent) als Frauen (8,9 Prozent). Meist sind es Menschen, die - von außen betrachtet - perfekt "funktionieren".
Die betroffenen Menschen kennen weder Wut noch Freude, Liebe noch Hass, Glück noch Trauer. Es gibt Menschen, die Gefühle nicht wahrnehmen können. Alexithymie, Gefühlsblindheit - das ist eine Erkrankung, die Menschen einsam macht, unempfindsam gegen sich selbst und andere.
"Statt zu fühlen, werden von Alexithymie Betroffene körperlich krank. Denn Gefühle erleben sie meistens nur in Form körperlicher Anzeichen: Bauchbeschwerden, beunruhigender Herzschlag oder Schmerzen. Alexithymie macht Menschen einsam, denn sie können Gefühle anderer nicht nachvollziehen oder teilen - Grundlage einer jeden Beziehung. Kaum ein anderes psychologisches Phänomen erschwert das Miteinander so sehr wie diese Gefühlsblindheit: "Alexithyme Menschen sprechen von Gefühlen wie Farbenblinde, die von Farbe sprechen", erklärt Prof. Matthias Franz, der sich eingehend mit dem Phänomen beschäftigt.
Der Ursprung für diese Störungen liegt meist in einer traumatisierenden Kindheit. Neueste Studien zeigen eindeutig, dass der Zugang zu der eigenen Gefühlswelt wie auch zu der anderer Menschen grundlegend durch die Beziehung von Mutter und Kind geprägt wird. Gehirnuntersuchungen ergeben, dass Menschen, die von Alexithymie betroffen sind, Funktionsveränderungen in Gehirnbereichen zeigen, was auch bildlich nachweisbar ist.
Wer die Signale der Mitmenschen nicht deuten kann und darauf angemessen reagieren kann, steht gesellschaftlich und auch zwischenmenschlich schon bald außen vor. 37 Grad berichtet von drei Betroffenen auf deren Suche nach Hilfe. Dokumentiert wird, wie Alexithyme eine Reise in ihr Inneres unternehmen, um herauszufinden, weshalb sie von ihrer eigenen Gefühlswahrnehmung abgekapselt sind. Ziel der Behandlungen ist es, die Verbindungen, die gekappt worden sind, wieder herzustellen - ein langer, mühsamer, aber möglicher Weg."
Auskunft gaben der Neurowissenschaftler und Psychoanalytiker Prof. Matthias Franz von der Universitätsklinik Düsseldorf und die leitende Psychotherapeutin Claudia Subic-Wrana von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Mainz in Verbindung. Ich traf auch Prof. Harald Gündel im Klinikum Rechts der Isar in München vor dem Wechsel des Nervenarztes an die Universitätsklinik Hannover. Die Experten, die sich seit langem mit der Erforschung und Behandlung der Alexithymie befassen, vermittelten die Kontakte zu Betroffenen.
Diese, so mein erster Eindruck, sind Menschen, die im Leben hervorragend "funktionieren" - bis sie krank werden, wie Renate Ruta und Istvan Eszlinger, zwei der Protagonisten im Film. Von Oktober 2006 bis Ende Januar 2007 beobachteten wir mit der Kamera, wie sich die Patienten während der Behandlung in der psychosomatischen Abteilung der Mainzer Klinik entwickelten.
Viele weitere Infos hier
Bild: mvregio.de

Tags: Akexithymie Gefühlsblindheit Gefuehlsblindheit Gefühle Psychosomatik
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Wong
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