Krebs-Patienten brauchen psychosoziale Begleitung - sagt der Krebskongress
abgelegt im Archiv Krankheiten und Therapiemöglichkeiten am 23.02.08
Die Überschrift klingt unglaublich banal - schön, dass man schon darauf kommt, dass Krebspatienten psychosoziale Betreuung brauchen. Da bedarf es erst eines Forschungssschwerpunktes.
"Bei der Behandlung von Krebs-Patienten steht zunächst die medizinische Versorgung im Vodergrund. Doch Betroffene brauchen nicht nur die bestmögliche medizinische Therapie, sondern auch seelische und soziale Begleitung", erklärte Professor Dr. Peter Herschbach heute, am 22. Februar 2008, auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin bei dem Symposium "Psychosoziale Onkologie" der Deutschen Krebshilfe. Herschbach ist Sprecher des gleichnamigen Förderschwerpunktprogramms der Deutschen Krebshilfe. Im Rahmen dieses Programms fördert die gemeinnützige Organisation mit vier Millionen Euro Projekte rund um die Themen Arzt-Patient-Kommunikation, Behandlung psychischer Symptome von Krebs-Patienten und Begleitung der Angehörigen.
"Das seelische Befinden von Krebs-Patienten muss in jedem Stadium der Krebserkrankung berücksichtigt werden", betonte Herschbach. Denn die Diagnose 'Krebs' trifft viele Menschen plötzlich und unerwartet. Das Leben verändert sich mit einem Schlag. Alle Lebensziele, Inhalte und Werte werden in Frage gestellt. "Der Bedarf an psychoonkologischer Beratung ist in Deutschland jedoch bei weitem nicht gedeckt", so Herschbach.
Mit dem Ziel, die psychosozialen Versorgungsstrukturen in der Krebsmedizin zu verbessern und die Forschung auf diesem Gebiet voranzubringen, hat die Deutsche Krebshilfe das Förderschwerpunktprogramm "Psychosoziale Onkologie" initiiert. Dabei fördert die Organisation seit Mitte 2007 bundesweit 14 Projekte an universitären und außeruniversitären Einrichtungen. "Inhaltliche Schwerpunkte sind die Analyse psychosozialer Belastungsaspekte bei Krebserkrankungen, die Entwicklung und Prüfung neuer Therapie- und Betreuungsangebote, die bessere Vernetzung zwischen den an der Behandlung beteiligten Instanzen sowie die Verbesserung der Kommunikation zwischen Arzt und Patient", erläuterte Herschbach.
Zu dem Förderschwerpunkt gehört beispielsweise ein Projekt, bei dem onkologisch tätige Ärzte in ihren kommunikativen Fähigkeiten trainiert werden, um die Arzt-Patient-Beziehung zu optimieren. Zwei weitere Projekte befassen sich mit der Wirksamkeit einer Kurzzeit-Psychotherapie bei depressiven Brustkrebs-Patientinnen sowie der Effektivität eines Übungsprogrammes zur Behandlung chronischer Müdigkeit bei Betroffenen mit einem Mammakarzinom. Außerdem werden ärztliche Trainingsmaßnahmen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) bei Brust- und Darmkrebs-Patienten entwickelt. Die Wissenschaftler nehmen an, dass damit die Entscheidungskonflikte der Betroffenen verringert und gleichzeitig die Zufriedenheit mit der Therapie-Wahl erhöht werden können.
Ich kann es wirklich kaum hören / lesen, da ich die Berichte einer Frau, die inzwischen verstorben ist, über die langen Wartezeiten auf öden Fluren noch in Erinnerung habe (um nur ein simples Beispiel zu nennen). Hoffentlich ändert sich wirklich etwas!
Mehr Infos bei der Deutschen Krebshilfe.
Bild: Gerd altmann (geralt) bei pixelio.de

Tags: Krebs psychosozial Forschungsschwerpunkt
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Kommentar von:
Weinert
(24.02.08 14:00 Uhr)
Diese Erkenntnis ist mir als Hausarzt nicht neu. Das ganze Thema liegt aber leider im Dornröschenschlaf. Dabei wäre eine Unterstützung der Krebspatienten nötiger als manche Chemotherapie oder Bestrahlung. Dass ich hier nicht ganz falsch liege, zeigt mein regional erfolgreicher Kurzroman "Aus der Wand", der sich mit diesem Thema beschäftigt.
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