Magersucht, Anorexie: Bericht einer Betroffenen, Buchtipp
Der Anlass für diesen hinweisenden Artikel ist eine Meldung über eine Autorenlesung in Hamburg (27. Oktober, 20.30 Uhr in den Kammerspielen). Nun schreibe ich ja hier nicht nur für Hamburger Leser, für die meisten wird der Termin weniger wichtig sein – aber auf die Tatsache, dass hier eine Betroffene über ihre Erfahrungen berichtet, möchte ich doch gerne wegen der grundsätzlichen Bedeutung hinweisen.

lena c. nennt sich die Autorin, der Titel ihres Buches: lebensaufgabe – der tod war so nah.
Ich zitiere einen Teil der Pressemitteilung, die ich über openPR bekam:
"Ich war eine junge Frau, die zwei Jahre eine Essstörung hatte. Diagnose: Anorexia nervosa – extreme Magersucht. Deswegen war ich auch über ein Jahr in psychologischer Behandlung und kurzzeitig in einer Klinik.
Heute weiß ich, dass ich krank war. Mir ist klar, dass ich mir geschadet habe und ich an der Magersucht hätte sterben können. Aber irgendetwas in mir schien die Anorexie zu brauchen, um andere Dinge zu kompensieren. Irgendwie lebte ich mit und durch die Anorexie – aber sie hätte mich auch gleichzeitig fast umgebracht."
Das sind die ersten Worte von Lena C. in ihrem Buch "Lebensaufgabe". Sie spricht offen und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen über ihre Krankheitsgeschichte und beschreibt ihren Weg heraus aus der Krankheit. Selten so aktuell war das Thema "Magersucht". Immer mehr Jugendliche sehen ihr falsches Ideal in einem dürren Körper. Dass sie damit ihr Leben aufs Spiel setzen, ist den wenigsten klar. Die Magersucht ist – wie Alkoholismus, Drogensucht u.a. – eben auch eine Sucht.
In Tagebuchform erzählt Lena, wie sie der Magersucht entkommen konnte. Dieses Buch soll Betroffenen und deren Angehörigen helfen, die Krankheit besser zu verstehen, und sie zu bekämpfen.
"Sprüche wie: 'Say it loud! I'm anorexic and I'm proud' gehören heute der Vergangenheit an.
Der Verlag teilt noch diese Selbstaussagen mit:
"zuerst möchte ich euch erzählen, wie ich darauf gekommen bin, meine geschichte zu veröffentlichen. es ist nicht leicht, so vollkommen ehrlich zu sein. es ist im gegenteil sehr schwer, die intimsten dinge über mich preiszugeben und für viele menschen zugänglich und öffentlich zu machen. dennoch – oder gerade deswegen – hoffe ich, dass ich hiermit einigen betroffenen menschen helfen bzw. die augen öffnen kann.
während meiner krankheit gab es einige bücher, artikel und berichte, die ich gelesen habe und die mir halfen, magersucht als eine krankheit zu sehen und nicht als eine modeerscheinung. einige bücher gaben mir den anlass dazu, aus dieser kranken welt einen ausweg zu finden. noch heute helfen sie mir, einige dinge aus einem gesunden blickwinkel zu sehen. natürlich bist du nicht geheilt, wenn du meine Autobiografie gelesen hast. aber vielleicht denkst du einmal darüber nach, wieso du dich selbst zerstörst! jede magersucht ist samt ihrer symptome und verhaltensweisen ähnlich aufgebaut. die folgen der jahrelangen hungerkur sind immer dieselben, mögen sich auch die gründe und motive, in diese krankheit zu geraten, unterscheiden. eines hat die magersucht bei allen betroffenen gemeinsam: SIE KANN DEN TOD BEDEUTEN! "
Das Buch ist als Taschenbuch im HolzheimerVerlag erschienen.
Mit Fotografien der Autorin.
ISBN 978-3-938297-60-5, EUR 14,80.
Bild: Titelbild des Verlages, von dessen Page zitiert.