Möglichst ohne Tierversuche: Intelligente Teststrategien gefordert
Kürzlich, als es um Netzhautimplantate ins Gehirn ging, war hier von Versuchen an Ratten die Rede, und sicherlich wird der eine oder andere sich gefragt haben, ob es nicht auch ohne Tierversuche gegangen wäre (durchaus ernst zu nehmende Experten halten sie für ganz verzichtbar, es gibt sogar eine Homepage "aerzte-gegen-tierversuche" ). In diesem Fall scheint mir das eher unwahrscheinlich, aber selbstverständlich muss die Wissenschaft ihre Methoden immer wieder kritisch hinterfragen; und selbstverständlich sollte mit Lebewesen grundsätzlich schonend umgegangen werden.
Für die Umsetzung der neuen EU-Chemikalienverordnung REACH müssen rund 20.000 Stoffe geprüft werden – nach Expertenschätzungen würden dazu 1,5 Millionen zusätzliche Tierversuche nötig sein.
Das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) macht darauf aufmerksam und fordert, alternative Testverfahren zu nutzen oder neu zu entwickeln.
Zwei grundsätzliche Richtungen stehen dabei im Vordergrund:
"in-vitro"-Versuche (wörtlich: im Reagenzglas) und computergestützte Modelle (QSAR).
In vitro heißt beispielsweise, dass man Einflüsse auf die Wasserqualität statt an erwachsenen fischen an Embryonen in Fischeiern testet.
Und QSAR (= Quantitive or Qualitative Structure-Activity Relationship) ist eigentlich eine Vermeidungsstrategie. Man vermeidet unnötige Versuche, indem man aus der chemischen Struktur eines Stoffes seine Wirkstärke (quantitativ) oder seinen Wirkmechanismus (qualitativ) vorhersagt.
Obwohl dieser Themenkreis eher trocken klingt, handelt es sich hier um einen spannenden Forschungsbereich mit zunehmender Bedeutung; es lohnt sich, Einzelheiten beim "Informationsdienst Wissenschaft" (idw) nachzulesen.
Bildquelle: UFZ, André Künzelmann
Text: Helge Mücke nach IDW