Mond: Einfluss auf Schlaf nicht nachweisbar
abgelegt im Archiv Medizin-News , Seelische Gesundheit, Psyche , Wellness am 28.04.07
Liebespaare schätzen sein romantisches Licht, Dichter haben ihm unzählige Werke gewidmet: Der Mond fasziniert die Menschen. Auch in Bezug auf die Gesundheit werden ihm mysteriöse Kräfte zugesprochen. Wissenschaftler sind aber skeptisch.
Vor allem Schlafprobleme werden oft dem Mond zugeschrieben - meist zu Unrecht, wie der Schlafforscher Jürgen Zulley aus Regensburg meint: «Es ist wissenschaftlich gut belegt, dass die Mondphasen keinen Einfluss auf die Schlafqualität haben.» Allenfalls könnte das der Fall sein, wenn der Vollmond direkt in das Schlafzimmerfenster scheint.
Schwerer wiegt laut Prof. Zulley daher das psychologische Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung: «Ich gehe davon aus, dass ich bei Vollmond schlechter schlafe - also bin ich angespannt und schlafe tatsächlich schlechter», sagt der Experte.
Ein anderes häufig berichtetes «Mondphänomen» ist die angebliche Zunahme von Geburten in Vollmondnächten. «Es gibt immer wieder Hebammen, die sagen: Ja, das ist so», bestätigt Edith Wolber vom Bund Deutscher Hebammen in Karlsruhe. Die Statistiken ließen einen entsprechenden Schluss aber nicht zu.
Das Phänomen lässt sich laut Edgar Wunder ebenfalls psychologisch erklären. Der Soziologe an der Universität Heidelberg hat zahlreiche Studien zusammengetragen, die etwa den Zusammenhang der Mondphasen mit Geburten oder Verkehrsunfällen untersuchen - fast alle fallen negativ aus. Das Zusammentreffen von zwei außergewöhnlichen Ereignissen wie «Vollmond» und «viele Geburten» oder «viele Unfälle» bleibe einfach länger im Gedächtnis, sagt der Forscher.
Dennoch gibt es seit Jahren einen boomenden Markt für Mondkalender und vergleichbare Ratgeber. «Die Kräfte der Mondrhythmen sind seit Jahrtausenden ein bewährtes Mittel», behaupten beispielsweise Johanna Paungger und Thomas Poppe. Das Autorenpaar aus Klosterneuburg bei Wien hat in den vergangenen Jahren ein halbes Dutzend Bücher zum Einfluss des Mondes auf den Alltag geschrieben. Ob in Haushalt, Gartenarbeit, Ernährung oder Gesundheit: Es gelte, den richtigen Zeitpunkt zu treffen, der sich nach dem Mond richte.
Beispiel Diäten: «Bei zunehmendem Mond sollte man kürzer treten und 'Dinner-Cancelling' betreiben», rät Poppe. Die aufgenommene Nahrung verwandele sich in dieser Zeit leichter in Übergewicht als bei abnehmendem Mond. Wichtig sei der Mondstand auch für Operationen: «Legen Sie den Termin, wenn es irgend geht, auf den abnehmenden Mond», rät Poppe - die Blutung sei nicht so stark und die Heilung verlaufe schneller.
Gerade zu diesem Thema hat der Soziologe Wunder jedoch vor einigen Jahren eine eigene Studie vorgenommen. Daran nahmen 228 Patienten in einem Krankenhaus in Oberösterreich teil, denen eine Knie- oder Hüftprothese eingesetzt wurde. Das Ergebnis: Ein Einfluss der Mondphasen konnte nicht nachgewiesen werden.
Wie der Mond seinen Einfluss ausüben soll, wissen auch die Befürworter der Mondkräfte nicht genau zu sagen. «Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung», gesteht Poppe. Er verweist auf Erfahrungen, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Laut Wunder handelt es sich bei der «Mondgläubigkeit» um eine Art Selbstberuhigung: «Sie steigert die subjektive Sicherheit.»
Die Autoren von Mondratgebern im Netz: paungger-poppe.com
Wissenschaftliche Studien zum Einfluss des Mondes: anomalistik.de
Quelle: dpa/gms (über google-alert)
Bildquelle: eigenes Foto (kleine Anmerkung: endlich habe ich mir eine Digitalkamera zugelegt, sodass ich das hier vorher eingesetzte Foto noch austauschen konnte - nicht, dass ich dieses eigene für besonders gut halte; es ist mehr das Vorzeigen einer ersten Probe mit Schmunzeln ...)

Permalink: Mond: Einfluss auf Schlaf nicht nachweisbar
Tags: Schlaf Schlafstörung Mond+Einfluss
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