Nervenreizung wirksam gegen Schluckauf und Depression
Bisher hat man sie vor allem bei Epilepsie angewendet: elektrische Nervenreizung (Neurostimulation). Jetzt hat man durch Forschungen belegt, dass die Stimulation auch bei Depressionen hilft, das Verfahren ist inzwischen anerkannt.
Und zwar wird der Vagus gereizt – von den beiden Gegenspielern des vegetativen Nervensystems derjenige, der die Entspannung steuert (der andere ist der Sympathicus). Ein Stimulator in der Größe einer Taschenuhr wird im Brustbereich unter die Haut gepflanzt; Elektroden werden bis zum Nacken geführt, wo sie um den linken Vagusnerven gewickelt werden. Weltweit haben bereits 20.000 Patienten solch ein Gerät.
In einer Studie an rund 60 (!) Patienten hat man inzwischen das Verfahren bei schwer Depressiven erfolgreich erprobt, bei denen Medikamente nicht zur Besserung führten (die in diesem Sinne also therapieresistent waren). Nach drei Monaten Nervenreizung war bei 15 Prozent der an Depression leidenden Menschen eine Besserung ("Remission" nach einer bestimmten definition) eingetreten; nach einem Jahr bei 27 Prozent; nach zwei Jahren noch bei 22 Prozent (Definition: mindestens 50prozentige Reduktion auf der Hamilton-Skala) (Journal of Clinical Psychiatry 66, 2005,1097).
Neuerdings hat man eine weitere Indikation (Krankheitsbild, bei dem der Therapieansatz Erfolg verspricht) für diese Art der Nervenreizung des Vagus gefunden: chronischer Schluckauf. Teilweise verschwindet dieses Problem völlig! Es erinnert an die erprobten Hausmittel, die den Vagus beeinflussen: kalt Wasser trinken oder Luft anhalten.
Ich frage mich, ob hier nicht der Elektroschock "Urständ feiert". Natürlich weiß ich auch, dass hier die Stromstärke ganz anders ist – dennoch, meine Skepsis ist groß: Depressionen, die ja doch die ganze Persönlichkeit betreffen, mit elektrischer Reizung heilen? Das ist genauso pauschal und brutal wie der Einsatz von Psychopharmaka; eine Dauerwirkung ist so nicht zu erwarten.
Text: Helge Mücke nach http://www.aerztezeitung.de