Nichtraucherschutz, Rauchverbot – umfassende Variante durchgesetzt?

Vor zwei Wochen noch haben wir uns geärgert: Auf einer Wanderung machten wir in der "Ziegenbuche" Rast – und wurden vom Nachbartisch von drei Rauchern angequalmt, ohne jede Skrupel und Rücksichtnahme und ohne jede Rückfrage. Und dabei gab es immer noch Politikermeinungen, die behaupteten, das könne man doch alles frei untereinander regeln. Nichts kann man in dieser Gesellschaft, in der der Egoismus immer mehr zum höchsten Wert wird … Von den heutigen Nachrichten aber bin ich wirklich überrascht und kann doch nicht meine Skepsis ganz beenden, deshalb das Fragezeichen!
Tatsächlich haben sich die Bundesländer auf ein umfassendes Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden verständigt, das auch für Gaststätten gelten soll.
Nach Aussagen der niedersächsischen Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann betrifft der beschluss Behörden, Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, Bildungs-, Freizeit- und Kultureinrichtungen ebenso wie Gebäude des Gesundheitswesens. Eingeschlossen seien Theater, Kinos, Museen und Diskotheken. In Gaststätten solle Rauchen nur in extra ausgewiesenen und abgetrennten Räumen möglich sein. Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wollten aber die Möglichkeit für Gaststätten prüfen, sich als Raucherlokale auszuweisen.
Ross-Luttmann sagte, die Vorschläge seien einstimmig verabschiedet worden. Die CDU-Politikerin wies allerdings darauf hin, dass die Vorschläge der Bund-Länder-Arbeitsgruppe noch von den Landesregierungen und von den Ministerpräsidenten gebilligt werden müssten.
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff zeigte sich zuversichtlich, dass die Regelungen im Herbst in Kraft treten können.
Die Gaststätten seien bei den Verhandlungen über ein Rauchverbot der größte Knackpunkt gewesen. Die Ministerpräsidenten wollen Ende März darüber beraten.
Wir werden sehen – bitte, keine Verwässerung mehr!
Nachrichtenquelle. reuters. S. auch google-newa
Bild: praxis-widderich.de
Februar 24th, 2007 at 07:39
so übereinstimmend war das wohl nicht, zwei CDU-regierte Länder haben sich weitere Ausnahmen vorbehalten und ich befürchte, dass dies nicht die einzigen bleiben.
Ich glaube erst an den umfassenden Nichtraucherschutz, wenn er in allen Ländern so verabschiedet ist, wie hier die Gesundheitsminister es angedeutet haben.
Aber ich glaube nicht daran.
August 9th, 2007 at 12:47
Ganz abgesehen von möglichen wirtschaftlichen Folgen stört mich vor allem die verlogene Argumentation. So finden sich immer die gleichen Aussagen:
1. Raucher schädigen Nichtraucher durch Passivrauchen.
- Soweit ja richtig aber wird ein Nichtraucher gezwungen eine Kneipe aufzusuchen, in der geraucht wird? Meines Wissens nicht. Die angebliche Rücksichtslosigkeit der Raucher erscheint vor solch einer Intolleranz doch ein wenig fragwürdig.
2. Raucher kosten den Staat durch Erkrankungen viel Geld.
- Nunja, Raucher bringen dem Staat durch enorme Steuern viel Geld. Vergleicht man die durch Erkrankungen bedingten Kosten mit denen des allgemein anerkannten Alkoholkonsums wirkt auch diese Argument fadenscheinig. Denn neben den nicht unerheblichen Kosten des Gesundheitswesens zur Behandlung alkoholbedingter Erkrankungen kommen hier auch noch diverse Einsätze von Rettungsdiensten und Polizei täglich hinzu, die durch Alkoholvergiftungen und alkoholbedingte Unfälle verursacht werden. Die Frage der Straftaten unter Alkoholeinfluß möchte ich garnicht weiter stellen.
3. Die Zigarettenkippen verschmutzen die Umwelt und wirken sich negativ auf das Stadtbild aus.
- Vielleicht ein paar mehr Aschenbescher aufstellen? Wer mal in einen alten Kaugummi getreten ist oder sich sogar darauf gesetzt hat sollte sich einmal die Relationen vor Augen halten.
In diesem Sinne – Für ein Verbot von Kaugummis in der Öffentlichkeit… und wenn wir gerade dabei sind, Hunde sollten auch abgeschafft werden. Ich weiß nicht wie viele Zigarettenstummel bei mir auch nur ansatzweise das Ekelgefühl erzeugen würden, dass ich empfinde wenn ich mal wieder das Glück habe mir Hundekot aus dem Profil kratzen zu dürfen.
Auch wenn ich als Raucher möglicherweise unter Befangenheit leide muss ich doch feststellen, dass ich mich durch dieses Ansinnen der Regierung stark in meinen Rechten eingeschränkt fühle. Der “Raucher” scheint hier systematisch als Feindbild der Gesellschaft aufgebauscht zu werden, der an allem Übel Verantwortung trägt.
August 20th, 2007 at 00:54
Vor allem zu Gerd: Ich bin auch nicht für staatliche Eingriffe – wenn es anders funktioniert. Ist aber in Deutschland nicht möglich, da Rücksichtnahme keine hohe Tugend ist: immer wieder die aggressiven Reaktionen zu erleben, wenn man einen Raucher freundlich auf Rücksichtnahme anspricht, lässt einen nicht an liberale Lösungen glauben. Da vom Druck oder gar Terror der Nichtraucher zu sprechen fällt mir schwer. Natürlich zwingt einen keiner bei Kneipen – aber meine Partnerin z.B. mit chronischem Asthma (und Cortison erhöht die Empfindlichkeit!) konnte bisher nicht in die berühmte Konzertkneipe “Kanapee” gehen und auch nicht in die meisten Speisegaststätten. Ist das richtig? Was ist so schlimm, wenn ein Raucher grundsätzlich vor die Tür geht? Schließlich ist er es doch, der die Körperverletzung begeht (am anderen Menschen, was er bei sich selber macht, ist natürlich seine Sache). Das mit der Steuer ist kein gutes Argument – man kann gegen diese Art von Steuern sein (bin ich) und doch für Nichtraucherschutz. Kaugummischmeißer und Hundekotzulasser sind genauso rücksichtslos und beweisen eigentlich nur, dass die allgemeine Rücksichtslosigkeit (der Egoismus) das Hauptproblem sind. Die lassen sich allerdings wirklich nicht durch Bußgelder Regeln. Nicht, dass mich Polen immer begeistern, aber in einer Übersicht zur internationalen Situation hieß es, Polen seien viel zu höflich, um in unmittelbarer Gegenwart eines anderen zu rauchen … Natürlich gibt es auch (bei uns) aggressive (“militante”) Nichtraucher, genauso falsch …