Nieren-Erkrankung, Balkan-Nephropathie durch (verunreinigtes) Mehl: Ursache endlich gefunden

Eine Nierenkrankheit, die speziell in Balkanländern vorkommt (= endemisch) konnte nach Jahrzehnten endlich aufgeklärt werden: Sie wird durch den Giftstoff aristolochiasäure in verunreinigtem Mehl verursacht. Aristolochiasäure stammt aus der Osterluzei, die auf den Weizenfeldern der Region oft als Unkraut wächst.
Kroatische Wissenschaftler haben das jetzt endlich herausgefunden.
Wahrscheinlich geraten die Samen der Pflanze beim Ernten des Getreides zwischen die Getreidekörner, werden zusammen mit ihnen zu Mehl verarbeitet und so schließlich mit dem Brot verzehrt.
Erstmals beschrieben wurde das Krankheitsbild von Bulgarien, Kroatien, Serbien, Rumänien und Bosnien in den späten 1950er Jahren. Gekennzeichnet ist es durch ein fortschreitendes Nierenversagen ohne den damit sonst meist einhergehenden Bluthochdruck und eine ungewöhnlich hohe Wahrscheinlichkeit für Krebserkrankungen der oberen Harnwege. Trotz intensiver Suche konnte die Ursache der Krankheit bisher nicht eindeutig geklärt werden. Vermutet wurde der Auslöser etwa in einer Schwermetallkontamination von Boden oder Grundwasser, einer Virusinfektion oder dem chronischen Einwirken von Schimmelpilzgiften.
Auf die Idee, die Toxine der gemeinen Osterluzei (Aristolochia clematitis) könnten der Auslöser sein, waren Wissenschaftler zwar bereits 1969 gekommen: Sie entdeckten Berichte über eine Nierenkrankheit bei Pferden, die nach dem Verzehr von Osterluzei aufgetreten war und die gleichen Symptome verursachte wie die Balkan-Nephropathie. Wirklich geprüft wurde diese These bislang allerdings nicht.
Quelle: Arthur Grollman (Stony-Brook-Universität, New York) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0701248104
über ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel
Bild: garden-shopping.de
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