Nobelpreis Medizin 2008, u.a. zur Hausen vom DKFZ
abgelegt im Archiv Frauen und Männer , Medizin-News am 11.10.08

Diesmal muss ich damit beginnen, ein Versäumnis einzugestehen: Über den medizin-Nobelpreis habe ich hier noch gar nicht berichtet. (Gelobe Besserung im nächsten Jahr ...) Obwohl er diesmal für diesen Blog sogar besonders interessant ist - das Thema Gebärmutterhalskrebs wurde hier schon mehrfach behandelt - was Sie mit Hilfe der Suchfunktion rasch feststellen können. Über die Nobelpreise 2007 und 2006 können Sie hier ebenfalls nachlesen.
Den Nobelpreis für Medizin 2008 bekommen der Deutsche Harald zur Hausen und die Franzosen Françoise Barré-Sinoussi and Luc Montagnier für ihre Virenforschung. Die Franzosen werden für die Entdeckung des HI-Virus geehrt, der die AIDS-Erkrankung auslöst; der deutsche Forscher für Entdeckung und Nachweis des "Humanen Papilloma-Virus" (HPV), der Gebärmutterhalskrebs hervorrufen kann.
Der 72-jährige Harald zur Hausen war viele Jahre Leiter des deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) der Helmholtzgemeinschaft in Heidelberg.
Schon vor mehr als 30 Jahren hatte zur Hausen einen Zusammenhang zwischen Infektionen mit humanen Papilloma-Viren und Gebärmutterhalskrebs vermutet. Das war ein so ungewöhnlicher Gedanke (Krebs als Infektionskrankheit!), dass es auch unter Fachkollegen als umstritten galt. Anfang der 1980er Jahre konnte er mit seiner Arbeitsgruppe erstmals die Virentypen HPV 16 und HPV 18 aus einer Gebärmutterhalskrebsprobe isolieren. Inzwischen gibt es einen Impfstoff, der jungen Mädchen einen gewissen Schutz verleihen kann.
Zur Hausen wurde 1936 geboren und studierte Medizin. Nach seiner Promotion arbeitete er am Institut für medizinische Mikrobiologie der Universität Düsseldorf, wechselte dann an das Virus Laboratories des Children's Hospital in Philadelphia und habilitierte sich 1969 an der Universität Würzburg. 1972 wurde er als Professor für Klinische Virologie an die Universität Erlangen-Nürnberg berufen, 1977 folgte er einem Ruf auf den Lehrstuhl für Virologie und Hygiene der Universität Freiburg. Von 1983 bis 2003 war Harald zur Hausen Vorsitzender und Wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstands des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Unter zur Hausens Führung erweiterte das Krebsforschungszentrum seine Zusammenarbeit mit Universitätskliniken: Die Klinischen Kooperationseinheiten sichern die Verzahnung von Grundlagenforschung und klinischer Medizin, um Forschungsergebnisse so schnell wie möglich in die Praxis zu übertragen.
Quellen: www.dkfz.de (von dort auch das Bild) und www.focus.de - dies eine lesenswerte Zusammenfassung nach verschiedenen Quellen.
Einen früheren - nicht unkritischen - Artikel über Vorsorge-Untersuchungen und pauschale Impfungen finden Sie hier.

Tags: PapillomaVirus Gebärmutterhalskrebs Krebs HPV
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Kommentar von:
herbert
(11.10.08 23:16 Uhr)
Es gibt aber durchaus auch sehr kritische Einschätzungen der Aussagen des neuen Nobelpreisträgers, aber natürlich nicht von den reinen Anhängern der Schulmedizin, die aber auch nicht immer Recht hat.
Kommentar von:
Helge
(12.10.08 0:26 Uhr)
Kritische Aspekte sehe ich auch - danke für den Kommentar -, in dem früheren Artikel, auf den ich verlinke, klingt das ja auch an. Auch, wenn ein Virus "auslösend" wirkt (viele haben ihn ja, ohne dass was passiert), ist er nicht unbedingt "die Ursache" bei Krebs. Da kommen viele Faktoren zusammen. Es wäre aber hier nicht möglich, alle Seiten umfassend zu durchleuchten ...
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