Operationstechnik: minimal-invasiv gut, aber kann nicht jeder

Ärzte können Gallenblase, Blinddarm und Leistenbruch heute ohne Bauchschnitt operieren. Etwa 20 Jahre nach den ersten sogenannten Schlüsselloch-Operationen in Deutschland liegen Studien zu Vor- und Nachteilen der minimal-invasiven Operationstechniken vor. Wann das Verfahren Patienten nützt, ist ein Thema des 125. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) vom 22. bis zum 25. April 2008 in Berlin.
"Für eine Vielzahl von – insbesondere gutartigen – Erkrankungen, ist die Überlegenheit oder zumindest Gleichwertigkeit von minimal-invasiven Operationstechniken im Vergleich zu offenen Operationen durch Studien belegt", sagt Professor Dr. med. Köckerling, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie (DGVC), Berlin. Doch nicht immer gelangen die Vorteile zum Patienten. Beispielsweise ist die endoskopische Entfernung des Blinddarmes für Patienten deutlich angenehmer als eine offene Operation. Denn sie haben weniger Schmerzen und einen kürzeren Aufenthalt im Krankenhaus. Sogar bei komplizierten Blinddarmentzündungen mit Durchbruch und Bauchfellentzündung gibt es außerdem eine geringere Rate von Wundheilungsstörungen und dadurch geringere Behandlungskosten. Trotzdem entfernen Ärzte nach wie vor nur etwa die Hälfte aller entzündeten Blinddärme minimal-invasiv. "Dies liegt vor allem daran, dass die Aus- und Weiterbildung minimal-invasiver Chirurgen der rasanten Entwicklung der Operationstechniken in vielen Bereichen hinterherhinkt", sagt Professor Köckerling.
Die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für Minimal Invasive Chirurge (CAMIC) der DGVC hat deshalb Zertifizierungsverfahren für Chirurgen und Kliniken eingeführt. Patienten, die sich einem minimal-invasiven Eingriff im bauchraum unterziehen werden, können sich ihre Klinik aussuchen – und sollten vorher auf die entsprechenden Qualifikationen achten.
Quelle: idw, Bild: Michael Bührke bei pixelio.de