Protest, Boykott, Streik der Ärzte, Apotheker und anderer Heilberufler

Ich bin nicht sicher, ob ich das gut finden soll: Ärzte, Apotheker und andere angehörige von Heilberufen haben heute gestreikt bzw, boykottiert – auf dem Rücken der Patienten. Ein Notdienst war allerdings gewährleistet.
Zum einen bin ich immer skeptisch, wenn eine Menschengruppe protestiert, die nicht gerade zu den Verlierern zählt. Müssen immer die am meisten gehört werden, die eine stabile Lobby haben? (Vergleiche Proteste der Hartz-IV-Empfänger … ein sehr kleines Häuflein montags am Kröpcke in Hannover …).
Zum anderen weiß ich nicht, was sie statt dessen wollen: Gegen etwas zu sein ist immer leicht, ein konkretes Alternativmodell zu haben und sich danach zu richten schon etwas völlig Anderes. Da muss ich Frau Ministerin Schmidt recht geben …
Die folgende Meldung ist, wohlgemerkt, der Vorausbericht von dpa, wie ich ihn von yahoo.de übernommen habe. Wie es tatsächlich war, ist hier noch nicht dargestellt.
"Mit einem bundesweiten Protesttag wollen Tausende Ärzte, Apotheker, Klinik-Mitarbeiter und Pfleger heute ihrem Unmut über die Gesundheitsreform Luft machen und Korrekturen fordern. In vielen Städten soll es nach Angaben von 39 Verbänden des Gesundheitswesens Protestmärsche, Kundgebungen und Podiumsdebatten geben.
Viele Arztpraxen werden geschlossen bleiben, bei den Apotheken wird teilweise nur eine Notversorgung aufrechterhalten. Die große Koalition befinde sich auf einem entscheidenden Irrweg, sagte der Vorsitzende des Ärzteverbandes Hartmannbund, Kuno Winn, der 'Frankfurter Rundschauť. 'Das muss man versuchen aufzuhalten.' Winn kündigte eine Verschärfung der Proteste an. In verschiedenen Regionen Deutschlands würden bis zum 1. April die Praxen jeweils für mehrere Tage von Mittwoch bis Freitag geschlossen. Am 1. April soll die Reform in Kraft treten.
Am Wochenende hatte Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe der großen Koalition 'Staatsdirigismusť in der Gesundheitspolitik vorgeworfen. 'Der Staat will die Richtlinien allein bestimmen und uns Ärzte am Gängelband führenť, sagte er der 'Rheinischen Post'. Hoppe gab sich optimistisch, dass es auf der Zielgeraden noch zu Nachbesserungen kommen könnte. 'Wir haben eine erkennbare Verunsicherung bei den Bundestagsabgeordneten' Die Parlamentarier sorgten sich um Krankenhäuser in ihrer Region und Praxen in ihren Wahlkreisen. 'Sie fürchten Ärger, und das lässt manchen neu nachdenken.'
Der Chef der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen, wies auf den mangelnden Rückhalt der Reform in der Bevölkerung hin. 'Was ich für besonders schädlich halte, ist, dass die Bürger mehrheitlich nicht bereit sind, den Reformen der Regierung in dieser Weise zu folgen. Das muss die Politik aufhorchen lassen. Sie sollte künftig für Reformen in sachlicher, realistischer und wahrheitsgemäßer Art werben', sagte Klusen der Zeitung 'Die Welt' (Montag).
Für den Fall, dass es keine fundamentalen Änderungen an der Reform mehr gibt, drohte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, mit einem Boykott. Ministeriumssprecher Klaus Vater sagte dazu, auch Köhler müsse zur Kenntnis nehmen, dass die KBV eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, also Teil des Staates sei – und damit beschlossene Gesetze umzusetzen habe."
Quelle Text und Bild: yahoo.de.