Spiritualität verlängert Leben

Wirkt Spiritualität so, dass ein längeres Leben dabei herauskommt – und dann auch noch ein Leben in Würde? Einige wissenschaftliche Studien scheinen darauf hinzudeuten. Kürzlich hat sich ein Fachsymposion diesen Fragen gewidmet – ich hatte vorher die Ankündigung gesehen und um eine zusammenfassende Pressemitteilung gebeten, die ich sehr rasch bekam (einen Tag nach dem Abschluss, danke, Frau Eva Bauer!).
Zu hinterfragen wäre allerdings, was unter "Spiritualität" zu verstehen ist – heute wird der Begriff doch recht schwammig gebraucht. Vielleicht könnte man sagen: ein aktives Geistesleben, das von grundlegenden "höheren" Wesenskräften getragen wird, so würde ich es sehen – wenn man es nur auf den Glauben bezieht, Religion insbesondere, besteht die Gefahr, dass das Irrationale (wieder) zu sehr in den Vordergrund gerät. Das als persönliche Vorbemerkung; ich werde nach meinem Urlaub auf den Themenkreis zurückkommen, wenn ich weitere Unterlagen habe, versprochen!
Hier der Pressetext:
"Glaube und Spiritualität beeinflussen die Lebensqualität der Menschen. – Das war der Tenor bei einem Fachsymposium heute Mittwoch im Haus der Barmherzigkeit. Studien belegen eine Verlängerung der Lebenserwartung als auch eine Verbesserung der Lebensqualität von Patienten. Der Trend zur Spiritualität werde jedenfalls in Zukunft auch das Gesundheitswesen stark beeinflussen.
Laut einer finnischen Studie leben religiöse Frauen um zwölf Jahre länger als nichtgläubige. Studien aus den USA zeigen, dass der Glaube die Gesundheit positiv beeinflusst. So haben religiöse Krebspatienten weniger Depressionen und eine niedrigere Selbstmordrate. Gläubige, an Demenz erkrankte Menschen zeigen ein niedrigeres kognitives Verfallstempo. 81% von insgesamt 400 Studien beweisen einen positiven Zusammenhang zwischen religiösem Glauben und Gesundheit. Prim. Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger, Institutsdirektor vom Haus der Barmherzigkeit kann dies nur unterstreichen. "Spiritualität ist ein Faktor für eine höhere Lebenserwartung – ähnlich wirksam wie der Risikofaktor Rauchen für eine niedrigere. In der geriatrischen Langzeit-Betreuung hilft Spiritualität bei Bewältigung schwerer chronischer Krankheiten." Denn gerade in Krisenzeiten wie bei Krankheit oder bevorstehendem Tod hätten gläubige Menschen Vertrauen in eine höhere Ordnung. "Sie fühlen sich in einer "win-win-Situation", so der Geriatrie-Experte: "Wenn es stimmt, bewahrheitet sich ihr Glaube – stimmt es nicht, verhilft er auf alle Fälle zu einer besseren Lebensqualität."
Spiritualität und Lebenserwartung bei unheilbar Kranken
In der Palliativmedizin habe definitionsgemäß die ganzheitliche Beherrschung der Krankheitsbeschwerden von unheilbar Kranken und somit jene der spirituellen Probleme höchste Priorität, erläuterte Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke. Viele seiner onkologischen Patienten seien auf der Suche nach dem Zweck und dem Sinn ihrer Krankheit, so der Leiter des Instituts für Palliativmedizin. Klinische Untersuchungen haben geze igt, dass religiöse bzw. spirituelle Einstellungen Auswirkungen auf das Wohlbefinden, Angst und Depressionen von Krebspatienten haben: "Je höher das spirituell-religiöse Wohlbefinden, umso geringer sind Angst und Depression ausgeprägt." Die Religiosität verlängere aber nicht das Leben, wenn man einmal Krebs hat.
Spirituelle Wellness als Lebenszufriedenheit
Weihbischof DDr. Helmut Krätzl beleuchtete die große Sehnsucht des modernen Menschen nach geistlicher Wellness. Krätzl gab zu, dass in der römisch-katholischen Kirche das "Sich-Wohlfühlen" zu wenig betont sei. Viele Menschen erleben das Christ-Sein als Zwang, als Summe von Geboten und moralischen Forderungen. Dabei könne die Sonntagsruhe neu begründet werden: Als ein "Sich-Zurücklehnen", ein "Zu-Sich-Kommen" wie es auch die christliche Meditation vorgibt. Aus Angst vor dieser vermeintlichen Einsamkeit stürzen sich die Menschen in eine immer lautere Fun- und Entertainment-Welt. Eine ebenso große Angst sei jene vor Krankheit und Tod. Psychologische Studien belegen hingegen, dass Patienten in krisenhaften seelischen Entwicklungen gerade durch die annahme ihrer unausweichbaren Situation seelische Zufriedenheit verspüren. Diese Lebenszufriedenheit sei übrigens bei älteren Menschen höher als bei jüngeren, erklärte Dr. Christine Schäfer. Die Gesundheitspsychologin bei der Caritas Socialis kritisierte die grundsätzliche negative Einstellung der Gesellschaft gegenüber dem Alter. Das Paradoxon des Alters sei gerade diese hohe Lebenszufriedenheit. "Wie kann aber ein positives Selbstbild aufrechterhalten werden, wenn das Alter gesellschaftlich einen so geringen Stellenwert hat?", so die Psychologin.
Die Wiederkehr der Religion als Megatrend
Als einen "Megatrend unter dem Label der Spiritualität" sieht Dr. Regina Polak, MAS die Wiederkehr der Religion. Die Pastoraltheologin beobachtet eine Suche nach dem guten Leben – sowohl auf öffentlicher Ebene der Religionspolitik als auch auf individueller Ebene unter dem Label 'Spiritualität'. Wobei diese als Sehnsuchtsreligion, als Suchen nach einem alternativen Leben, in dem die Liebe im Mittelpunkt steht, verstanden wird. Polak warnte aber auch vor Problemen wie einer Ethisierung der Spiritualität und der Instrumentalisierung für fremde Interessen.
Interreligiöser Dialog
Weiters referieren über die verschiedenen Aspekte der Spiritualität im Gesundheits- und Pflegewesen: Univ.-Prof. Dr. Kurt Grünewald (Abgeordneter zum Nationalrat und Internist), Univ.-Prof. Dr. Günter Virt (Institut für Moraltheologie). Den Abschluss bildete ein interreligiöser Dialog von Vertretern der unterschiedlichen Glaubensrichtungen."
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