strogen macht Gehirn männlich – bei Mäusen
Nach Untersuchungen der Universität Liège (Julie Bakker) ist es – zumindest bei Mäusen – ausgerechnet das weibliche Geschlechtshormon strogen, das zur männlichen Ausprägung des Gehirns führt.
Bekanntlich ist strogen sonst für die Ausprägung weiblicher Eigenschaften verantwortlich.
Bei männlichen Föten wandert Testosteron aus den Hoden über das Blut ins Gehirn und wird dort in strogen umgewandelt.
Dieses kontrolliert von dort verschiedene Gene, die typisch männliche Eigenschaften und Verhaltensweisen steuern.
Die Forschergruppe konnte klären, warum bei Weibchen die von den Eierstöcken produzierten strogene nicht ins Gehirn gelangen (dort würden sie denselben Effekt haben, nämlich zur "Vermännlichung" führen).
Das alpha-Fetoprotein (AFP) ist dafür verantwortlich – es fängt die strogene bereits im Blut ab.
Fehlte bei den Experimenten das AFP und damit der Abfangmechanismus, bekamen die Weibchen tatsächlich männliche Eigenschaften. Wurde die strogenproduktion verhindert, spielte das AFP keine Rolle mehr, die Weibchen wurden oder blieben weiblich.
Die Ergebnisse seien zwar nicht direkt auf den Menschen übertragbar – hier steuern Androgene die Männlichkeit -, aber nach Meinung der Forscher dürfte ein ähnlicher Abfangmechanismus die Geschlechtsunterschiede steuern.
Dies Forschungsergebnis zeigt einmal mehr, dass die "Steuerungsmechanismen" (schon das Wort -mechanismen könnte man hier in Frage stellen) nicht so einfach sind, wie man sie sich gerne vorstellt. Bei medikamentösen Eingriffen kann das nur zu mehr Vorsicht führen.Quelle: http://www.wissenschaft.de/wissen/news/260503.html, Original-Veröffentlichung in Nature Neuroscience
Bild: http://kleintiere.haustiere-info.de/maeuse.htm