Unfruchtbarkeit und Diabetes: mehr schadhafte Spermien, als bisher bekannt
abgelegt im Archiv Frauen und Männer , Medizin-News am 05.05.07
Dass bei Diabetikern mit chronisch überhöhtem Blutzuckerspiegel in stärkerem Maße Unfruchtbarkeit auftritt, weiß man bekanntlich längst. Nach einer neuen Studie nordirischer Mediziner weiß man, dass es "noch schlimmer" ist, als bisher angenommen. Häufiger noch, als bisher bekannt, zeigen die Spermien von Diabetikern im Vergleich zu Nicht-Diabetikern DNA-Schäden (Veränderungen an der Erbsubstanz).
"Vom klinischen Standpunkt aus betrachtet, ist dies von großer Bedeutung", erklärt Sheena Lewis von der Queen's University in Belfast. "Das gilt umso mehr angesichts überzeugender Belege dafür, dass DNA-Schäden in Spermien die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen." Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Forscherin und ihr Team präsentieren im Fachblatt "Human Reproduction".
LeserInnen meines Blogs werden schon wissen, wo meine Skepsis auch diesmal ansetzt, wenn ich gleich die Untersuchungsmethode schildere: Die Zahl der Versuchspersonen ist zu gering - statistische Signifikanz ist nicht zu erwarten!
Die Forscher verglichen das Ejakulat von 27 jungen Typ-1-Diabetikern und 29 Nicht-Diabetikern. Gesamtzahl, Konzentration und Beweglichkeit der Spermien waren in beiden Gruppen ähnlich, die molekularbiologische Analyse aber zeigte deutliche Unterschiede: Die DNA-Stränge im Zellkern jedes zweiten Diabetiker-Spermiums waren in kleinere Bruchstücke gespalten, in der Kontrollgruppe war dies nur bei jedem dritten Spermium der Fall. Außerdem fehlten in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Diabetiker-Spermien häufiger ganze DNA-Abschnitte.
Um die Bedeutung dieser Forschungsergebnisse richtig einschätzen zu können, muss man wissen:
Im Jahr 2025 wird es nach Schätzung der Vereinten Nationen etwa 300 Millionen Menschen mit Diabetes mellitus geben. Beispielsweise steigt in Europa die Zahl der Kinder, bei denen ein Typ-1-Diabetes festgestellt wird, aus unklaren Gründen jährlich um drei Prozent. Ohne sorgfältige Behandlung und Kontrolle drohen also langfristig Gefäßschäden und damit auch Potenzprobleme.
Forschung: Ishola M. Agbaje und Sheena E.M. Lewis, Reproductive Medicine Research Group, Centre for Clinical and Population Sciences, Queen's University of Belfast; und andere
Veröffentlichung Human Reproduction, DOI 10.1093/humrep/dem077
Die gesamte Zusammenfassung können Sie nachlesen bei scienceticker.info
Bildquelle: repro.klinikum.uni-muenster.de - mit freundlicher Genehmigung durch Prof. Dr. Eberhard Nieschlag - danke sehr!

Tags: Unfruchtbarkeit Spermien Diabetes Diabetes+Unfruchtbarkeit DNADefekte Fruchtbarkeitsstörung
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Wong
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