Verein gegen Mediensucht: keine Elektronik schenken!

Christine und Christoph Hirte haben ihren Sohn an ein Computerspiel verloren. Seitdem beraten und informieren sie andere Eltern auf dem Selbsthilfeportal rollenspielsucht.de. Angesichts von etwa 2 Millionen Online- bzw. Mediensüchtigen im Land zeigt sich allerdings, dass es nicht reicht, nur die Rollenspiele an den Pranger zu stellen. Der neu gegründete Verein AKTIV gegen MEDIENSUCHT e.V. fordert nun dazu auf, den Missbrauch von allen elektronischen Medien so unpopulär wie den von Alkohol oder Drogen zu machen.
Beratungsstellen in ganz Deutschland sprechen von einer deutlichen Zunahme der Hilfesuchenden: 1,5 bis 2 Millionen Deutsche sollen bereits online- bzw. mediensüchtig sein. Davon sind bis zu 700.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Die Süchtigen haben keine Lobby, die Bevölkerung schüttelt über ihre Nöte oft nur desinteressiert den Kopf. Und die Politiker fordern neue Zahlen und Langzeitstudien, dabei liegen die Ergebnisse längst vor.
Christoph Hirte, Vorstandsvorsitzender von AKTIV GEGEN MEDIENSUCHT e.V,.: "Unserer Meinung nach unternehmen Politiker und Gesellschaft genau das Falsche. Anstatt die Mediennutzung einzuschränken und besser zu überwachen, werden bereits die Kinder im Kindergarten mit dem Computer, dem Internet und elektronischen Medien konfrontiert. Und das alles unter dem Stichwort der Medienkompetenz. Unserer Beobachtung nach beginnen die oft erheblichen Probleme in den Familien aber umso früher, je früher die Kinder mit den elektronischen Medien in Berührung kommen."
Gerade zu Weihnachten wird wieder eine ganze Flut Elektronik über die Kinder und Jugendlichen hereinbrechen. Computer, elektronische Geräte und Videospiele landen zuhauf auf dem Gabentisch. Einmal angeschafft, sollen sie natürlich auch bespielt werden. Die Aufrüstung der Kinderzimmer sorgt dafür, dass der Nachwuchs immer mehr Zeit am Computer oder an der tragbaren Spielekonsole verbringt: Die Medien sind zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar. Klappt es dann in der Schule nicht mehr so richtig oder gleich gar nicht, kommt ein Hilferuf oft zu spät. In vielen Familien ist der Medienkonsum bereits ein riesiges Problem und die Hilflosigkeit vieler Eltern ist groß.
Christine und Christoph Hirte haben als betroffene Eltern selbst die Elterninitiative rollenspielsucht.de (www.rollenspielsucht.de/) ins Internet gestellt. Seit dem 8. Mai 2007 zählen die nicht kommerziell interessierten Betreiber über 320.000 Erstzugriffe. Der Ansturm der vielen Interessierten zeigte schnell, wie groß der Bedarf an Hilfestellung und Aufklärung ist. Deswegen wurde im September 2008 der Verein AKTIV GEGEN MEDIENSUCHT e.V. gegründet – mit dem Leitsatz: "Der Missbrauch von elektronischen Medien soll so unpopulär wie der Alkohol- und Drogenmissbrauch werden."
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Bild: M & W bei pixelio.de