Volkskrankheit Lungenentzündung, Pneumonie: neue Therapien

Mit 1,7 Mio Euro fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (bmbf) die neue Klinische Forschergruppe "Pneumonie: Molekulare Signaturen kompartimentalisierter und schrankenübergreifender alveolärer Infektion" an der Justus-Liebig-Universität Gießen in den nächsten drei Jahren. Unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Lohmeyer wollen Forscher des Fachbereichs Medizin die molekularen Mechanismen bei Lungenentzündungen entschlüsseln. Die Erkenntnisse werden dringend für neue Diagnose- und Behandlungsstrategien benötigt. Ziel der Förderung durch das BMBF ist außerdem die strukturelle Verankerung von infektiologischer Forschung an klinischen Einrichtungen. Der Ausbau des Schwerpunktes Infektiologie im Zentrum für Innere Medizin (Leitung: Prof. Dr. Werner Seeger), wird sich unmittelbar auf die Patientenversorgung und die Aus- und Weiterbildung auswirken. Am 25. Juni 2007 trafen sich Wissenschaftler und Ärzte der neuen Klinischen Forschergruppe, die Anfang April eingerichtet wurde, zum Kick-Off Meeting in Gießen.
"Es besteht ein immenser Bedarf für neue Therapieansätze", betont Prof. Lohmeyer, der seit mehr als zehn Jahren den Schwerpunkt Infektiologie am Zentrum für Innere Medizin leitet. Die Pneumonie (Lungenentzündung) wird durch verschiedenste Keime ausgelöst. Sie ist nicht nur die häufigste tödlich verlaufende Infektionskrankheit weltweit, sie gilt auch in Deutschland als Volkskrankheit: Mehr als 240.000 Patienten pro Jahr müssen im Krankenhaus behandelt werden. Trotz wirksamer Antibiotikatherapien versterben immer mehr Patienten, gleichzeitig entwickeln sich zunehmend Resistenzen (Unempfindlichkeit gegenüber den üblichen Therapien mit Antibiotika). "Wir untersuchen nicht nur die Gewebeschädigungen durch die Krankheitserreger, sondern auch die Entzündungsprozesse selbst, die zum Teil mit überschießenden Reaktionen des körpereigenen Immunsystems einhergehen. Wir interessieren uns zudem für die anschließenden Heilungsprozesse", so der Internist. Als Sprecher der neuen Klinischen Forschergruppe vertritt er ein interdisziplinäres Netzwerk, das auf dem Gebiet der Immunologie, Entzündungs- und Infektionsforschung international anerkannt ist.
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Bild: diagnoseklinik-muenchen.de